Cannabidiol (CBD) ist ein Cannabinoid, das natürlicherweise in der Pflanze Cannabis sativa vorkommt. Anders als THC (Delta-9-Tetrahydrocannabinol) erzeugt es kein „High“: In einer Studie zum Missbrauchspotenzial beim Menschen lagen Einzeldosen bis 4.500 mg beim „Drug Liking“ (Gefallen an der Substanz) im Placebobereich (Epidiolex-Fachinformation). CBD wird in zwei sehr unterschiedlichen Formen verkauft: als Epidiolex, ein verschreibungspflichtiges Arzneimittel gegen drei seltene Anfallserkrankungen, und als unregulierte Öle, Gummis, Vapes und Cremes, die gegen Angst, für Schlaf, gegen Schmerzen und zur Regeneration beworben werden.
Die wichtigste Tatsache ist die Lücke zwischen beiden. Epidiolex ist durch randomisierte Studien mit Dosen von 10–25 mg/kg/Tag belegt. Die Verbraucherprodukte sind es nicht. Placebokontrollierte Studien zu CBD bei Schmerzen, Schlaf und Regeneration nach dem Training waren überwiegend negativ. Labortests von Handelsprodukten fanden falsche CBD-Mengen und nicht deklariertes THC. Die FDA (US-Arzneimittelbehörde) vertritt die Position, dass CBD nicht legal als Nahrungsergänzungsmittel verkauft oder Lebensmitteln zugesetzt werden darf.
Diese Seite fasst zusammen, was die Epidiolex-Fachinformation, klinische Studien und Behörden berichten. Sie dient ausschließlich der Information und ist keine medizinische Beratung.
| Eigenschaft | Angabe |
|---|---|
| Wirkstoffklasse | Pflanzliches Cannabinoid; Antikonvulsivum (Epidiolex) |
| Zugelassenes Produkt | Epidiolex (Cannabidiol) Lösung zum Einnehmen, 100 mg/mL; erste US-Zulassung 2018 |
| Zugelassene Indikationen | Anfälle bei Lennox-Gastaut-Syndrom, Dravet-Syndrom oder tuberöser Sklerose, ab 1 Jahr |
| Dosis laut Fachinformation | 5 mg/kg/Tag zu Beginn; 10–20 mg/kg/Tag Erhaltungsdosis (LGS, Dravet); 25 mg/kg/Tag (TSC) |
| Halbwertszeit (Fachinformation) | 56–61 h nach zweimal täglicher Gabe über 7 Tage |
| Wirkmechanismus | Antikonvulsiver Mechanismus unbekannt; scheint nicht über Cannabinoidrezeptoren zu wirken (Fachinformation) |
| Wichtigste Warnung der Fachinformation | Dosisabhängiger Anstieg der Leberenzyme, deutlich häufiger mit Valproat |
| US-Status | Epidiolex ist keine kontrollierte Substanz. Laut FDA ist CBD von der Definition eines Nahrungsergänzungsmittels ausgeschlossen |
| WADA-Status | Nicht verboten: CBD ist die einzige namentlich genannte Ausnahme in S8 Cannabinoide; THC ist im Wettkampf verboten |
Was es ist
Die Summenformel von CBD ist C₂₁H₃₀O₂, die Molmasse beträgt 314,46. Es ist ein weißer bis blassgelber kristalliner Feststoff, der sich nicht in Wasser löst (Epidiolex-Fachinformation). Da es sich nur in Fetten und Lösungsmitteln löst, sind sowohl Epidiolex als auch die meisten Handelsprodukte ölbasiert. Epidiolex enthält Sesamöl mit 7,9 % Alkohol.
CBD wird oft so beschrieben, dass es auf das „Endocannabinoid-System“ wirkt, die Fachinformation ist aber vorsichtiger. Sie hält fest, dass der genaue Mechanismus seiner antikonvulsiven Wirkung beim Menschen unbekannt ist und dass CBD offenbar nicht über Cannabinoidrezeptoren wirkt. Das ist ein Grund, warum ihm die berauschende Wirkung von THC fehlt.
Die beiden Produktwelten unterscheiden sich in wichtigen Punkten:
| Merkmal | Epidiolex | „CBD“-Produkte im Handel |
|---|---|---|
| Regulierung | Von der FDA zugelassenes Arzneimittel, nach Arzneimittelstandards hergestellt | Nicht von der FDA zugelassen; laut FDA dürfen sie nicht als Nahrungsergänzungsmittel oder Lebensmittel verkauft werden |
| Gehalt | 100 mg/mL gereinigtes CBD | Weicht oft von der Deklaration ab (siehe Qualität und Verunreinigungen) |
| THC | Gereinigtes Produkt; kein THC-ähnliches „Drug Liking“ in der Missbrauchsstudie | THC in einer Laboruntersuchung in etwa 1 von 5 Produkten gefunden |
| Evidenz | Vier randomisierte Studien bei schwerer Epilepsie | Kleine Studien, überwiegend negativ oder uneinheitlich |
Pharmakokinetik
Alle Angaben stammen aus der Epidiolex-Fachinformation (DailyMed):
| Parameter | Wert |
|---|---|
| Zeit bis zum Spitzenspiegel (Steady State) | 2,5–5 h |
| Dosisproportionalität | Die Exposition steigt von 5 bis 25 mg/kg/Tag unterproportional an |
| Fettreiche Mahlzeit | Spitzenspiegel etwa 5×, Gesamtexposition (AUC) etwa 4× höher als nüchtern |
| Fettarme Mahlzeit | Spitzenspiegel etwa 4×, AUC etwa 3× höher |
| Alkohol | Spitzenspiegel 93 % höher, AUC 63 % höher |
| Proteinbindung | Über 94 % |
| Halbwertszeit | 56–61 h (zweimal tägliche Gabe über 7 Tage, gesunde Probanden) |
| Stoffwechsel | Leber und Darm: CYP2C19, CYP3A4, UGT1A7, UGT1A9, UGT2B7 |
| Metaboliten | 7-OH-CBD (aktiv; AUC 38 % niedriger als bei CBD); 7-COOH-CBD (AUC etwa 40× höher als bei CBD) |
| Ausscheidung | Überwiegend über den Stuhl; geringe renale Clearance |
| Mittelschwere oder schwere Leberfunktionsstörung | AUC etwa 2,5–5,2× höher; die Fachinformation senkt die Dosen |
Zwei Punkte fallen auf. Erstens verändert Nahrung die Exposition um ein Mehrfaches, weshalb die Fachinformation eine gleichbleibende Einnahme in Bezug auf die Mahlzeiten verlangt. Zweitens bedeutet die lange Halbwertszeit, dass sich CBD bei regelmäßiger Einnahme über mehrere Tage anreichert.
Zugelassene medizinische Anwendung
Epidiolex ist das einzige von der FDA zugelassene Arzneimittel mit CBD (FDA). Es ist indiziert bei Anfällen im Zusammenhang mit dem Lennox-Gastaut-Syndrom (LGS), dem Dravet-Syndrom oder der tuberösen Sklerose (TSC) bei Patienten ab 1 Jahr. Die Fachinformation verlangt vor Behandlungsbeginn Lebertests (ALT, AST und Bilirubin).
| Indikation | Beginn | Erhaltung | Maximum |
|---|---|---|---|
| LGS oder Dravet-Syndrom | 2,5 mg/kg zweimal täglich (5 mg/kg/Tag) | 5 mg/kg zweimal täglich (10 mg/kg/Tag) nach 1 Woche | 10 mg/kg zweimal täglich (20 mg/kg/Tag) |
| TSC | 2,5 mg/kg zweimal täglich (5 mg/kg/Tag) | Wöchentlich steigern bis 12,5 mg/kg zweimal täglich (25 mg/kg/Tag) | 25 mg/kg/Tag ist die empfohlene Dosis |
Die Fachinformation merkt an, dass 20 mg/kg/Tag die Anfälle etwas stärker reduzierten als 10 mg/kg/Tag, aber mit mehr Nebenwirkungen. Bei mittelschwerer oder schwerer Leberfunktionsstörung sind die Dosen niedriger. Wie andere Antiepileptika sollte Epidiolex ausgeschlichen und nicht abrupt abgesetzt werden.
Die Zulassungsstudien
Alle vier Studien waren randomisiert, doppelblind und placebokontrolliert, wobei CBD zu bestehenden Antiepileptika hinzugegeben wurde. Die Ergebnisse sind mediane prozentuale Veränderungen der Anfallshäufigkeit pro 28 Tage laut Fachinformation:
| Studie | n | Placebo | CBD 10 mg/kg/Tag | CBD 20 mg/kg/Tag | CBD 25 mg/kg/Tag |
|---|---|---|---|---|---|
| LGS, Studie 1 (Sturzanfälle) | 171 | −22 % | — | −44 % | — |
| LGS, Studie 2 (Sturzanfälle) | 225 | −17 % | −37 % | −42 % | — |
| Dravet, Studie 3 (konvulsive Anfälle) | 120 | −13 % | — | −39 % | — |
| TSC, Studie 4 (TSC-assoziierte Anfälle) | 224 | −20 % | — | — | −43 % |
In der Dravet-Studie hatten 43 % der Patienten unter CBD einen Rückgang der konvulsiven Anfälle um mindestens 50 %, gegenüber 27 % unter Placebo (Odds Ratio 2,00, 95-%-KI 0,93–4,30, nicht signifikant) (Devinsky et al., NEJM 2017). Nur wenige Patienten wurden anfallsfrei: 5 % unter CBD vs. 0 % unter Placebo. CBD ist eine Zusatzbehandlung, die bei diesen Syndromen die Anfälle verringert; es heilt sie nicht.
Was die Forschung zu anderen Anwendungen zeigt
Außerhalb der Epilepsie ist die Evidenz dünn. Die meisten Studien sind klein und kurz und verwenden unterschiedliche Produkte und Dosen, sodass die Ergebnisse schwer vergleichbar sind.
Angst
Die bekanntesten Studien nutzten einen Labor-Stresstest, den simulierten Test des öffentlichen Sprechens, mit einer Einzeldosis vor der Rede:
| Studie | Teilnehmende | CBD-Dosis | Ergebnis |
|---|---|---|---|
| Bergamaschi et al., 2011 | 24 unbehandelte Menschen mit sozialer Angststörung | 600 mg einmalig vs. Placebo | Weniger Angst, kognitive Beeinträchtigung und Unbehagen während der Rede |
| Linares et al., 2019 | 57 gesunde Männer | 150, 300 oder 600 mg einmalig vs. Placebo | Nur 300 mg verringerten die Angst; 150 und 600 mg unterschieden sich nicht von Placebo |
Das Ergebnis von Linares deutet auf eine Dosis-Wirkungs-Beziehung in Form eines „umgekehrten U“ hin, bei der mehr nicht besser ist. Es handelt sich um Laborstudien mit Einzeldosen, nicht um Behandlungsstudien.
Eine Metaanalyse von 2025 fasste 21 placebokontrollierte Studien zu Cannabinoiden bei angstbezogenen Störungen und Tourette-Syndrom zusammen (Raminelli et al., Cannabis Cannabinoid Res 2025). Für reine oder CBD-angereicherte Produkte war der gepoolte Effekt nicht signifikant (SMD −0,40, 95-%-KI −0,84 bis 0,03). Eine auf reines CBD beschränkte Untergruppe zeigte einen moderaten Effekt (SMD −0,61, 95-%-KI −1,15 bis −0,07). Die Autoren bewerteten die Evidenz als von geringer Qualität und durch kleine Stichproben und uneinheitliche Designs eingeschränkt.
Schlaf
In einer randomisierten Pilotstudie nahmen 30 Erwachsene mit mittelschwerer bis schwerer Insomnie 2 Wochen lang jeden Abend 150 mg CBD oder Placebo unter die Zunge (Narayan et al., J Clin Sleep Med 2024). Ergebnisse:
- Kein Unterschied beim Schweregrad der Insomnie, bei der selbst angegebenen Einschlafzeit, der Schlafeffizienz oder der Wachzeit nach dem Einschlafen.
- Höhere Werte beim Wohlbefinden unter CBD und eine bessere, am Handgelenk gemessene Schlafeffizienz nach 2 Wochen.
Die Autoren kamen zu dem Schluss, dass CBD bei den meisten Schlafendpunkten Placebo ähnelte. Die Epidiolex-Fachinformation nennt Somnolenz als häufige Nebenwirkung bei 10–25 mg/kg/Tag, doch das ist Sedierung bei Epilepsiepatienten, kein Beleg für besseren Schlaf.
Schmerzen
Drei placebokontrollierte Studien mit Dosen von 20 mg bis 600 mg pro Tag fanden keinen Nutzen gegen Schmerzen:
| Studie | Erkrankung, n | CBD-Dosis und Dauer | Primäres Ergebnis |
|---|---|---|---|
| Vela et al., Pain 2022 | Handarthrose oder Psoriasis-Arthritis, 136 | Synthetisches CBD 20–30 mg/Tag, 12 Wochen | Unterschied von 0,23 mm auf einer Schmerzskala von 0–100 mm (95-%-KI −9,41 bis 9,90); keine Wirkung auf Schlaf-, Angst- oder Depressionswerte |
| Pramhas et al., Lancet Reg Health Eur 2023 | Kniearthrose unter Paracetamol 3 g/Tag, 86 | 600 mg/Tag, 8 Wochen | Der WOMAC-Schmerzwert sank unter CBD um 2,5 Punkte vs. 2,4 unter Placebo (p = 0,80) |
| Bebee et al., Med J Aust 2021 | Akute Kreuzschmerzen in der Notaufnahme, 100 | 400 mg einmalig | Schmerz nach 2 h 6,2 vs. 5,8 von 10; kein Unterschied beim Einsatz von Opioiden als Notfallmedikation |
In der Kniestudie traten unter CBD mehr unerwünschte Ereignisse auf (135 vs. 105 Ereignisse), und Anstiege der Leberenzyme waren häufiger (15 vs. 5 Patienten, p = 0,02).
Sportliche Leistung und Regeneration
Sportler nutzen CBD oft zur Regeneration, kontrollierte Daten zeigen jedoch kaum eine Wirkung:
- Regeneration nach hartem Training. In einer doppelblinden Crossover-Studie nahmen 17 gut trainierte Sportler nach jeder Einheit eines 6-tägigen hochintensiven Programms 60 mg CBD (als Öl oder in wasserlöslicher Form) oder Placebo ein (Isenmann et al., JISSN 2024). Keines der Produkte veränderte Leistung oder Entzündungsmarker. Das einzige Signal war ein niedrigeres Myoglobin mit dem Öl in einer Untergruppe, und die Autoren fanden insgesamt keine klaren Effekte.
- Ausdauer. In einer randomisierten Crossover-Studie nahmen 25 trainierte Läufer 1,5 h vor einem 60-minütigen Lauf und einem Lauf bis zur Erschöpfung Placebo, 50 mg oder 300 mg CBD ein (Sahinovic et al., Sports Med Open 2025). Keine der Dosen veränderte die Zeit bis zur Erschöpfung, die wahrgenommene Anstrengung, Schmerzen, Stimmung oder Marker für Muskelschäden. Die Autoren folgerten, dass CBD in diesen Dosen die Leistung wahrscheinlich weder verbessert noch beeinträchtigt.
Nebenwirkungen und Risiken
Leberschäden
Die wichtigste Warnung der Epidiolex-Fachinformation ist ein dosisabhängiger Anstieg der Leberenzyme (DailyMed). In kontrollierten Studien stieg die ALT bei 13 % der Patienten unter 10–20 mg/kg/Tag und bei 12 % unter 25 mg/kg/Tag über das 3-Fache der oberen Normgrenze (ULN), gegenüber 1 % unter Placebo. Weniger als 1 % überschritten das 20-Fache der ULN. Das Risiko hing stark von anderen Medikamenten ab:
| LGS- oder Dravet-Patienten unter CBD | ALT über 3× ULN |
|---|---|
| Valproat und Clobazam | 30 % |
| Valproat ohne Clobazam | 21 % |
| Clobazam ohne Valproat | 4 % |
| Keines der beiden | 3 % |
| Nach Dosis: 10 mg/kg/Tag | 1 % |
| Nach Dosis: 20 mg/kg/Tag | 17 % |
Die meisten Anstiege traten in den ersten 2 Monaten auf, einige aber noch bis zu 18 Monate nach Beginn, insbesondere mit Valproat. Die Fachinformation verlangt ALT, AST und Bilirubin zu Beginn sowie nach 1, 3 und 6 Monaten. CBD soll abgesetzt werden, wenn die Transaminasen 3× ULN bei einem Bilirubin über 2× ULN überschreiten oder dauerhaft über 5× ULN liegen.
Leberwirkungen beschränken sich nicht auf Epilepsiepatienten, die andere Medikamente einnehmen:
- FDA-Studie mit einer Dosis im Verbraucherbereich. FDA-Wissenschaftler randomisierten 201 gesunde Erwachsene für 28 Tage auf CBD 5 mg/kg/Tag (etwa 400 mg/Tag) oder Placebo (Florian et al., JAMA Intern Med 2025). ALT oder AST stiegen bei 8 unter CBD (5,6 %) und bei 0 von 50 unter Placebo über 3× ULN. Sieben erfüllten die Kriterien für einen möglichen arzneimittelbedingten Leberschaden, alle mit Eosinophilie (erhöhte Werte einer Art weißer Blutkörperchen), und die Enzyme normalisierten sich innerhalb von 1–2 Wochen nach dem Absetzen.
- Hochdosisstudie. Bei 16 gesunden Erwachsenen, die etwa 3,5 Wochen lang 1.500 mg/Tag einnahmen, hatten 7 (44 %) eine ALT über der ULN und 5 (31 %) über 5× ULN (Watkins et al., Clin Pharmacol Ther 2021).
Weitere Nebenwirkungen laut Fachinformation
Aus der Epidiolex-Fachinformation, in kontrollierten Studien bei LGS und Dravet-Syndrom, sofern nicht anders angegeben:
| Wirkung | CBD | Placebo |
|---|---|---|
| Somnolenz und Sedierung | 32 % (46 % mit Clobazam, 16 % ohne) | 11 % |
| Gewichtsverlust um 5 % oder mehr | 16 % (31 % in der TSC-Studie) | 8 % |
| Neu aufgetretene Anämie | 30 % (38 % in der TSC-Studie) | 13 % (15 % in der TSC-Studie) |
| Pneumonie mit Clobazam, 20 mg/kg/Tag | 10 % | 1 % |
Weitere in der Fachinformation genannte Wirkungen sind verminderter Appetit, Durchfall, Hautausschlag und Infektionen. Die Fachinformation vermerkt außerdem:
- Serumkreatinin: ein Anstieg um etwa 10 % innerhalb von 2 Wochen, der laut einer eigens dafür durchgeführten Studie nicht auf eine verringerte Nierenfiltration zurückgeht.
- Überempfindlichkeit: In Studien traten Juckreiz, Rötung und Angioödem (Schwellung unter der Haut) auf. Epidiolex enthält Sesamöl und ist bei Menschen mit Allergie gegen seine Bestandteile kontraindiziert.
- Suizidgedanken: eine Klassenwarnung für alle Antiepileptika.
- QTc: eine konzentrationsabhängige Verlängerung des QT-Intervalls des Herzens, um nicht mehr als 10 ms bei empfohlenen Monotherapiedosen, die mit einer fettreichen Mahlzeit eingenommen wurden.
Hormone, Schwangerschaft und Abhängigkeit
Die FDA hat „possible harm to the male reproductive system“ (eine mögliche Schädigung des männlichen Fortpflanzungssystems) als Bedenken genannt (FDA, 2023). Die Belege der Fachinformation dafür stammen aus Tierversuchen: Bei Ratten führte CBD, das während Trächtigkeit und Säugezeit gegeben wurde, bei männlichen Nachkommen zu verzögerter Geschlechtsreife und kleinen Hoden. In der 28-tägigen FDA-Studie an gesunden Erwachsenen veränderte CBD bei Männern weder das Gesamttestosteron noch Inhibin B (Florian et al., 2025). Längerfristige Humandaten fehlen.
Trächtige Tiere, die CBD erhielten, zeigten Entwicklungstoxizität, und es gibt keine ausreichenden Daten zur Schwangerschaft beim Menschen. Beim Menschen verursachten 1.500 mg/Tag über 28 Tage nach dem Absetzen keine Entzugssymptome, was darauf hindeutet, dass CBD wahrscheinlich keine körperliche Abhängigkeit verursacht (Fachinformation).
Wechselwirkungen
CBD verändert die Spiegel vieler Medikamente, und andere verändern den CBD-Spiegel. Aus der Epidiolex-Fachinformation:
| Medikament oder Gruppe | Wirkung | Empfehlung der Fachinformation |
|---|---|---|
| Clobazam | Aktiver Metabolit N-Desmethylclobazam etwa 3× höher | Senkung der Clobazam-Dosis erwägen |
| Valproat | Mehr Anstiege der Leberenzyme | CBD und/oder Valproat reduzieren oder absetzen, wenn die Enzyme steigen |
| CYP2C19-Substrate | CBD ist ein moderater CYP2C19-Hemmer; Prodrugs wie Clopidogrel können weniger aktiven Metaboliten bilden | Dosis nach Bedarf anpassen |
| CYP1A2-Substrate (z. B. Theophyllin, Tizanidin) | Die AUC von Koffein stieg mit CBD 750 mg zweimal täglich um 95 % | Dosisreduktion erwägen |
| Everolimus und andere orale P-gp-Substrate (Sirolimus, Tacrolimus, Digoxin) | Everolimus-Exposition etwa 2,5× höher | Überwachung der Wirkstoffspiegel, niedrigere Dosen |
| UGT1A9-Substrate (z. B. Mycophenolat) | AUC der Mycophenolsäure 35 % höher | Dosisreduktion erwägen |
| Stiripentol | Höhere Stiripentol-Exposition | Überwachen |
| Starke CYP3A4/CYP2C19-Induktoren (z. B. Rifampicin) | CBD-Exposition 32 % niedriger | Bis zur 2-fachen CBD-Dosis erwägen |
| Alkohol und andere ZNS-dämpfende Substanzen | Stärkere Sedierung; Alkohol erhöht außerdem die CBD-Spiegel | Vorsicht |
Diese Wechselwirkungen stammen aus Studien mit dem verschreibungspflichtigen Produkt. Dasselbe Molekül ist in Handelsprodukten enthalten, allerdings in unbekannten und schwankenden Dosen.
Qualität und Verunreinigungen
Die bekannteste Überprüfung der Deklaration testete 84 CBD-Extrakte von 31 Firmen, die 2016 online gekauft wurden (Bonn-Miller et al., JAMA 2017). Als korrekt deklariert galt ein Produkt, wenn es innerhalb von ±10 % des angegebenen CBD-Gehalts lag:
| Befund | Produkte |
|---|---|
| Korrekt deklariert | 26 von 84 (31 %) |
| Mehr CBD als deklariert | 36 von 84 (43 %) |
| Weniger CBD als deklariert | 22 von 84 (26 %) |
| THC nachgewiesen (bis zu 6,43 mg/mL) | 18 von 84 (21 %) |
Vape-Liquids waren am häufigsten falsch deklariert (88 %), Öle am häufigsten korrekt (45 %). Die Autoren merkten an, dass das gefundene THC ausreichen könnte, um einen Rausch zu verursachen, insbesondere bei Kindern.
Kleine THC-Mengen können auch zu positiven Drogentests führen. In einer kontrollierten Studie nahmen 60 Erwachsene 14 Tage lang zweimal täglich 100 mg CBD in Öl mit 0–3,7 mg THC ein (Wolinsky et al., J Anal Toxicol 2026). In jeder THC-haltigen Gruppe hatte mindestens ein Teilnehmer während der 14 Tage einen positiven Urintest, selbst bei 0,5 mg. Auch eine Probe in der reinen CBD-Gruppe war positiv. Die THC-Gruppen unterschieden sich bei Messungen von Drogenwirkung und Beeinträchtigung nicht von reinem CBD. Die Autoren weisen darauf hin, dass Standard-Drogentests legale Hanfprodukte nicht von Cannabiskonsum unterscheiden können.
Rechtsstatus und Anwendung im Sport
FDA
Die FDA ist zu dem Schluss gekommen, dass CBD-Produkte von der gesetzlichen Definition eines Nahrungsergänzungsmittels ausgeschlossen sind, weil CBD der Wirkstoff eines zugelassenen Arzneimittels ist (21 U.S.C. 321(ff)(3)(B)). Aus demselben Grund ist es nach ihrer Auffassung verboten, CBD Lebensmitteln zuzusetzen, die über Bundesstaatsgrenzen hinweg verkauft werden (FDA-Fragen und -Antworten). Die FDA hat Warning Letters (Warnschreiben) an Firmen verschickt, die behaupteten, CBD behandle Krankheiten wie Krebs.
Im Januar 2023 erklärte die FDA, dass die bestehenden Regeln für Lebensmittel und Nahrungsergänzungsmittel für CBD nicht geeignet sind. Sie habe keine ausreichende Evidenz dafür gefunden, wie viel CBD und wie lange es konsumiert werden kann, bevor es Schaden verursacht. Sie lehnte drei Petitionen zur Zulassung von CBD-Nahrungsergänzungsmitteln ab und forderte den Kongress auf, einen neuen Regulierungsweg zu schaffen (FDA-Stellungnahme, 2023).
DEA und Farm Bill
- 2018: Die DEA (US-Drogenbehörde) stufte im September 2018 von der FDA zugelassene CBD-Arzneimittel mit höchstens 0,1 % THC in Schedule V (Anlage V des US-Betäubungsmittelrechts) ein (DEA, 2026).
- Farm Bill 2018: unterzeichnet am 20. Dezember 2018. Sie nahm „Hanf“ aus dem Controlled Substances Act (US-Betäubungsmittelgesetz) heraus: Cannabis und seine Derivate, einschließlich Cannabinoiden, mit höchstens 0,3 % Delta-9-THC bezogen auf das Trockengewicht (FDA-Fragen und -Antworten).
- 2020: Die DEA hob die Einstufung zugelassener CBD-Arzneimittel in Schedule V auf, da sie nach der Farm Bill nicht mehr kontrolliert waren. Sie stellte außerdem fest, dass CBD-Gemische mit mehr als 0,3 % Delta-9-THC in Schedule I bleiben (vorläufige endgültige Regelung der DEA, 2020). Die aktuelle Epidiolex-Fachinformation gibt an, dass es keine kontrollierte Substanz ist.
- Gesetz von 2025, in Kraft ab 12. November 2026: Section 781 des Public Law 119-37 fasst die bundesrechtliche Definition von Hanf neu (govinfo). Die THC-Grenze wird zu 0,3 % Gesamt-THC, einschließlich THCA. Verbraucherfertigprodukte mit mehr als 0,4 mg kombiniertem Gesamt-THC (und THC-ähnlichen Cannabinoiden) pro Behälter sind von „Hanf“ ausgeschlossen, ebenso Produkte mit synthetisierten Cannabinoiden. Von der FDA zugelassene Arzneimittel sind von den neuen Produktdefinitionen ausgenommen. Eine DEA-Regelung von 2026 bestätigt das Inkrafttreten am 12. November 2026 (DEA, 2026).
Dieselbe DEA-Regelung vom April 2026 stufte von der FDA zugelassene Arzneimittel mit Marihuana sowie staatlich lizenziertes medizinisches Marihuana in Schedule III um. Sie hält fest, dass sie den Status von Hanf nicht ändert. Die Gesetze der Bundesstaaten zu CBD unterscheiden sich und werden hier nicht behandelt.
WADA
Die Verbotsliste 2026 der WADA verbietet unter S8 alle natürlichen und synthetischen Cannabinoide im Wettkampf, mit einer namentlich genannten Ausnahme: Cannabidiol. THC ist als „Substance of Abuse“ (Suchtmittel) gelistet. Andere pflanzliche Cannabinoide sind nicht ausgenommen.
Für Sportler liegt das praktische Risiko in Verunreinigungen. Ein als CBD verkauftes Produkt kann nicht deklariertes THC enthalten (21 % der Produkte in der JAMA-Untersuchung von 2017), und schon 0,5 mg THC zweimal täglich führten in der Dosierungsstudie von 2026 zu positiven Urintests (bei Anwendung der Grenzwerte für Drogentests am Arbeitsplatz).
Das Wichtigste in Kürze
- Ein zugelassenes Arzneimittel, eine enge Anwendung. Epidiolex ist von der FDA für Anfälle bei Lennox-Gastaut-Syndrom, Dravet-Syndrom und tuberöser Sklerose mit 10–25 mg/kg/Tag zugelassen. In Studien senkte es die Anfallshäufigkeit im Median um 37–44 %, gegenüber 13–22 % unter Placebo.
- Schwache Evidenz für populäre Anwendungen. Placebokontrollierte Studien fanden keinen Nutzen bei Arthroseschmerzen, akuten Rückenschmerzen, Insomnie oder Regeneration nach dem Training. Die Daten zur Angst stammen überwiegend aus kleinen Laborstudien mit Einzeldosen.
- Die Leber ist das wichtigste Sicherheitsthema. Die ALT stieg bei 12–13 % der Epidiolex-Patienten über das 3-Fache der Norm (bis zu 30 % mit Valproat und Clobazam) und bei 5,6 % gesunder Erwachsener mit etwa 400 mg/Tag in einer FDA-Studie.
- Viele Wechselwirkungen. CBD erhöht die Spiegel des aktiven Clobazam-Metaboliten, von Koffein, Everolimus und anderen Medikamenten und interagiert mit Valproat.
- Handelsprodukte sind unzuverlässig. Nur 31 % der getesteten Online-Extrakte entsprachen ihrer Deklaration, und 21 % enthielten THC.
- Im Sport erlaubt, aber Verunreinigungen sind ein Risiko. Die WADA nimmt CBD von S8 aus, THC ist im Wettkampf jedoch verboten, und THC-Spuren in Hanfprodukten können zu positiven Urintests führen.
Quellen
- Jazz Pharmaceuticals. Epidiolex (cannabidiol) oral solution prescribing information. Revised 2026. DailyMed.
- Devinsky O, Cross JH, Laux L, et al. Trial of cannabidiol for drug-resistant seizures in the Dravet syndrome. N Engl J Med. 2017;376(21):2011–2020. PubMed.
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