Vilon ist der Handelsname eines synthetischen Dipeptids, also einer Kette aus nur zwei Aminosäuren: Lysin und Glutaminsäure. In der Fachliteratur wird es als Lys-Glu oder KE bezeichnet. Es stammt aus der Gruppe um Vladimir Khavinson am St. Petersburger Institut für Bioregulation und Gerontologie in Russland, die es als „Bioregulator“ des Immunsystems und als „Thymomimetikum“ beschreibt (eine Substanz, die Thymushormone nachahmen soll). Online wird es mit Blick auf Immunität und „Anti-Aging“ vermarktet.
Die wichtigste Tatsache überhaupt: In der indexierten Literatur ist keine randomisierte, placebokontrollierte Studie zu Vilon veröffentlicht, und fast alle Studien stammen von einer einzigen Forschungsgruppe und ihren Kooperationspartnern. Die Evidenz besteht aus Zellkultur- und Nagetierexperimenten sowie einigen kleinen russischen klinischen Berichten ohne beschriebene Kontrollgruppen. In einer der Mausstudien der Gruppe selbst erhöhte Vilon die Häufigkeit von Brustkrebs bei einem krebsanfälligen Stamm. Vilon ist kein von der FDA (US-Arzneimittelbehörde) zugelassenes Arzneimittel.
Diese Seite fasst zusammen, was die veröffentlichten Labor-, Tier- und Humanberichte zeigen. Sie dient ausschließlich der Information und ist keine medizinische Beratung.
| Eigenschaft | Angabe |
|---|---|
| Klasse | Synthetisches Dipeptid (Lys-Glu); einer der „Peptid-Bioregulatoren“ nach Khavinson |
| Andere Namen | KE, KE-Peptid, Lys-Glu, L-Lysyl-L-Glutaminsäure |
| Formel und Molmasse | C₁₁H₂₁N₃O₅, 275,30 g/mol (PubChem) |
| CAS-Nummer | 45234-02-4 (Synonymliste von PubChem) |
| Herkunft | Von den Entwicklern als neu synthetisiertes immunmodulierendes Dipeptid beschrieben; später als Wirkkomponente des Kälberthymus-Extrakts Thymalin bezeichnet |
| Humandaten | Einige kleine russische Berichte zu Typ-1-Diabetes und älteren Krebspatienten; keine randomisierte, placebokontrollierte Studie gefunden |
| Untersuchte Dosen | Nur Nagetierstudien nennen Dosen: 0,1–1 µg pro Maus als Injektion unter die Haut, 5 Tage pro Monat; 10 µg/kg und 1 mg/kg bei Mäusen; 50 µg pro Ratte |
| Halbwertszeit | Unbekannt. Wir haben keine veröffentlichte pharmakokinetische Studie an Menschen oder Tieren gefunden |
| Status in den USA | Kein von der FDA zugelassenes Arzneimittel; kein Produkt in den Zulassungs- oder NDC-Datenbanken der FDA gefunden |
| WADA | Auf der Liste 2026 nicht namentlich genannt; die Klasse S0 umfasst Substanzen ohne behördliche Zulassung zur therapeutischen Anwendung beim Menschen |
Was es ist
Vilon ist das Dipeptid L-Lysyl-L-Glutaminsäure. PubChem führt „Vilon“, „Peptide vilon“ und „KE dipeptide“ als Synonyme derselben Verbindung (PubChem). Mit nur zwei Aminosäuren ist es eines der kleinsten Moleküle, die die Gruppe bewirbt.
Die Angaben der Entwickler zu seiner Herkunft gehen auseinander. Laut einer Übersichtsarbeit von Morozov und Khavinson aus dem Jahr 1997 wurde Thymogen (Glu-Trp) aus dem Kälberthymus-Extrakt Thymalin isoliert, während Vilon „ein neuartiges immunmodulierendes Dipeptid“ war, das synthetisiert wurde (Morozov und Khavinson, Int J Immunopharmacol 1997). Eine Arbeit desselben Instituts aus dem Jahr 2023 bezeichnet KE und EW (Glu-Trp) als die „Wirksubstanzen“ von Thymalin (Linkova et al., Int J Mol Sci 2023). Diese Arbeit stützte sich auf Computermodelle und Zellkulturen und berichtet nicht, dass KE im Extrakt gemessen wurde.
Vilon gehört zu einer Familie kurzer Peptide, die die Gruppe als gewebespezifische Bioregulatoren bewirbt. Verwandte Seiten in der Bibliothek:
- Thymalin, der Kälberthymus-Extrakt, mit dem Vilon in Verbindung gebracht wird.
- Thymagen (Thymogen, Glu-Trp), das andere Thymus-Dipeptid derselben Gruppe.
- Epitalon (Ala-Glu-Asp-Gly), das Zirbeldrüsen-Tetrapeptid, das oft parallel zu Vilon getestet wurde.
- Cartalax (Ala-Glu-Asp) und Pinealon (Glu-Asp-Arg), Tripeptide, die für Knorpel und Gehirn beworben werden.
Jedes davon ist ein anderes Molekül mit eigener, separater Forschung.
Wie es im Körper wirkt
Niemand hat gezeigt, wie Vilon beim Menschen wirkt. Die Gruppe vermutet, dass kurze Peptide in Zellen eindringen, den Zellkern erreichen und an die DNA binden, wodurch sie Gene an- oder abschalten. Als Belege für Vilon werden angeführt:
- Computer-Docking. Modelle sagten voraus, dass Lys-Glu an kurze DNA-Sequenzen in den Promotorregionen (den „Einschaltern“) der Gene für die Immunsignale CD5 und IL-2 sowie weitere Proteine bindet (Khavinson et al., Bull Exp Biol Med 2013), ebenso an die alterungsbezogenen Gene SIRT1, PARP1 und PARP2 (Khavinson et al., Adv Gerontol 2023).
- Peptid im Vergleich zu seinen Bestandteilen. In einer Gewebekultur aus Rattenmilz regte Lys-Glu das Zellwachstum an, während eine einfache Mischung aus Lysin und Glutaminsäure es hemmte. Das Docking sagte voraus, dass das intakte Peptid stärker an die DNA bindet als jede der beiden Aminosäuren (Khavinson et al., Bull Exp Biol Med 2015).
- Ultraniedrige Dosen. Eine Arbeit aus dem Jahr 2003 berichtete über einen zweiten Aktivitätsgipfel an Thymuszellen bei 10⁻¹⁷–10⁻¹⁵ mol/L. Die Autoren vermuteten, dass das Signal bei solchen Konzentrationen vom umgebenden Wasser übertragen wird, ohne dass das Peptid an einen Rezeptor bindet (Grigor’ev et al., Radiats Biol Radioecol 2003). Diese Vorstellung liegt außerhalb der etablierten Pharmakologie und wurde nicht unabhängig überprüft.
In einer Arbeit aus dem Jahr 2016 schrieb die Gruppe selbst, der molekulare Mechanismus, über den kurze Peptide Gene regulieren, sei „weiterhin unklar“ (Khavinson et al., Bull Exp Biol Med 2016). Docking-Modelle sagen eine Bindung voraus; sie zeigen nicht, dass sie in lebenden Zellen stattfindet.
Pharmakokinetik
Wir haben keine veröffentlichte Studie gefunden, die Aufnahme, Verteilung, Halbwertszeit oder Ausscheidung von Vilon gemessen hat, weder beim Menschen noch bei Tieren. Die einzige Arbeit dazu, wie es in Zellen gelangen könnte, ist eine Computermodellierungsstudie, die nahelegt, dass KE und andere kurze Peptide in die Bindungsstellen der Transporter LAT1, LAT2 und PEPT1 passen könnten (Khavinson et al., Biomolecules 2023). Ob intaktes Vilon die Verdauung nach oraler Einnahme übersteht oder wie lange es nach einer Injektion im Blut verbleibt, wurde nicht berichtet. Online genannte Werte zur Halbwertszeit beruhen nicht auf veröffentlichten Messungen.
Regulatorischer Status
- In den USA kein zugelassenes Arzneimittel. Suchen in der Zulassungsdatenbank der FDA (Drugs@FDA) und im National Drug Code Directory über openFDA ergaben kein Produkt, das Vilon enthält. Wir haben keine Zulassung durch FDA oder EMA gefunden.
- Rezepturherstellung (Compounding). Vilon war zum Zeitpunkt unserer Prüfung nicht auf der FDA-Seite zu Bulk-Wirkstoffen genannt, die erhebliche Sicherheitsrisiken bergen können; auf dieser Seite wird jedoch das verwandte Peptid Epitalon genannt (FDA, 2026). Dass Vilon dort nicht aufgeführt ist, bedeutet nicht, dass es geprüft oder für sicher befunden wurde.
- Sport. Vilon ist auf der Verbotsliste 2026 der Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA) nicht namentlich genannt. Die Klasse S0 verbietet jederzeit jede pharmakologische Substanz, die „derzeit von keiner staatlichen Gesundheitsbehörde für die therapeutische Anwendung beim Menschen zugelassen“ ist (WADA-Verbotsliste 2026). Wir haben keine WADA-Entscheidung speziell zu Vilon gefunden.
Was die Forschung zeigt
An fast allen der unten aufgeführten Studien sind Khavinson oder Mitarbeitende seines St. Petersburger Instituts als Autoren beteiligt. Auch die wenigen Arbeiten aus dem Ausland, von Gruppen in Georgien und Italien, nennen Khavinson als Mitautor (Lezhava et al., Biogerontology 2004; Avolio et al., Int J Mol Sci 2022). Wir haben keine unabhängige Replikation gefunden. Viele Arbeiten sind kurze russischsprachige Artikel, von denen nur ein Abstract verfügbar ist.
Evidenz beim Menschen
Wir haben keine randomisierte, placebokontrollierte Studie zu Vilon gefunden. Die gefundenen Humanberichte sind unten zusammengefasst. Keines der Abstracts nennt die Zahl der Patienten oder die Dosis oder beschreibt eine Randomisierung oder Verblindung.
| Studie | Wer | Berichtetes Ergebnis |
|---|---|---|
| Kuznik et al., Adv Gerontol 2006 | Patienten unterschiedlichen Alters mit instabilem Typ-1-Diabetes | Vilon zusätzlich zur Standardbehandlung verringerte oder beseitigte Zeichen einer chronischen disseminierten intravasalen Gerinnung (ausgedehnte abnorme Gerinnungsaktivität); bei älteren Patienten mit schwerer Erkrankung war der Effekt schwächer |
| Kuznik et al., Adv Gerontol 2007 | Ältere Patienten mit Typ-1-Diabetes | Höhere Spiegel der natürlichen Gerinnungshemmer Antithrombin III und Protein C; „in den meisten Fällen“ war eine niedrigere Insulindosis nötig; Verschiebungen bei mehreren Immunzellzahlen |
| Ias’kevich et al., Adv Gerontol 2005 | Ältere Patienten mit Rektum- und Kolonkarzinom im Stadium III | Als „Pioniererfahrung“ mit „vorläufigen Ergebnissen“ beschrieben; die Autoren empfehlen Vilon zur Verbesserung des 2-Jahres-Überlebens, das Abstract nennt jedoch keine Überlebensdaten |
Eine russische Übersichtsarbeit von Khavinson und Kollegen aus dem Jahr 2013 fasst die klinischen Erfahrungen der Gruppe mit Vilon und anderen Peptid-Bioregulatoren als Geroprotektoren zusammen (Khavinson et al., Adv Gerontol 2013). Das Abstract nennt für Vilon keine Studiendesigns, Patientenzahlen oder Ergebnisse.
In weißen Blutkörperchen von Menschen im Alter von 75–88 Jahren, die in Kultur gezüchtet wurden, „entrollte“ Vilon dicht gepacktes Chromatin (den DNA-Protein-Komplex in den Chromosomen) und reaktivierte ribosomale Gene (Lezhava et al., Biogerontology 2004). Dies ist ein Laborbefund an gespendeten Zellen, keine Behandlungsstudie.
Immun- und andere Zellen in Kultur
| Studie | Zellen | Berichteter Befund |
|---|---|---|
| Khavinson et al., Bull Exp Biol Med 2002 | Thymuszellen der Maus (Thymozyten) | Vilon hatte von drei Peptiden den stärksten Effekt bei der Förderung des Thymozytenwachstums zusammen mit einem Mitogen; Epitalon war schwächer, Cortagen hatte keinen Effekt |
| Avolio et al., Int J Mol Sci 2022 | Humane Monozyten-Zelllinie THP-1 (eine aus Leukämie stammende Zelllinie) | Vilon und vier weitere Khavinson-Peptide senkten die Freisetzung von TNF und IL-6 nach bakteriellem Endotoxin und verringerten die Anheftung der Zellen an aktivierte Blutgefäßzellen |
| Linkova et al., Int J Mol Sci 2023 | Humane Immunzellen aus dem Blut von vier Spendern | Thymalin, KE und EW senkten IL-1β, IL-6 und TNF-α nach Endotoxin um das 1,4- bis 6,0-Fache |
| Khavinson et al., Adv Gerontol 2023 | Humane mesenchymale Stammzellen während der replikativen Alterung | KE steigerte in „jungen“ Zellen die Genexpression von SIRT1 um das 6-Fache und das Protein um das 8,2-Fache; senkte PARP1 und PARP2 in alternden Zellen |
| Ashapkin et al., Mol Biol Rep 2020 | Humane fetale Knochenmark-Stammzellen in zwei Alterungsmodellen | KE, AED und KED steigerten die Genexpression von IGF1 um das 3,5- bis 5,6-Fache und steigerten die Genexpression von NF-κB; KE verdoppelte die Expression von FOXO1 nur in einem Modell |
| Fridman et al., Bull Exp Biol Med 2020 | Humane Hautfibroblasten während der replikativen Alterung | KE senkte IL-1, NF-κB und TGF-β und steigerte Sirtuin-6 |
| Ivko et al., Adv Gerontol 2020 | Alternde humane Thymuszellen | KE steigerte die Mitochondrienfärbung um das 1,5-Fache und senkte das ribosomale Protein L7A um 15 % |
Nicht alle Ergebnisse waren günstig. In einer russischen Studie aus dem Jahr 2008 zeigten Vilon und drei verwandte Peptide keine direkte antioxidative Wirkung und erhöhten den Ruhespiegel reaktiver Sauerstoffspezies in Nervenzellen, während sie den Anteil toter Zellen senkten (Kozina et al., Adv Gerontol 2008). Alle diese Ergebnisse stammen von Zellen in der Kulturschale, meist gemessen durch Färbung und Mikroskopie, und keine Studie hat geprüft, ob sich die Veränderungen bei einem lebenden Menschen in eine bessere Immunfunktion übersetzen.
Lebensdauer bei Mäusen
Die zentrale Behauptung der Gruppe lautet, dass Vilon die Lebensdauer verlängert. Die beiden Berichte stimmen nicht vollständig überein:
| Studie | Design | Berichtetes Ergebnis |
|---|---|---|
| Khavinson et al., Bull Exp Biol Med 2000 | Weibliche CBA-Mäuse, die ab dem 6. Lebensmonat Vilon unter die Haut erhielten | Vilon „verlängerte die Lebensdauer“, steigerte Aktivität und Ausdauer und verhinderte spontane Tumoren; keine Zahlen im Abstract |
| Anisimov et al., Mech Ageing Dev 2001 | Weibliche CBA-Mäuse, 0,1 µg pro Maus unter die Haut an 5 Tagen pro Monat vom Alter von 6 Monaten bis zum Tod, im Vergleich zu Kochsalzlösung oder Epitalon | Lys-Glu steigerte die körperliche Aktivität und senkte spontane Lungenadenome; das Abstract berichtet einen signifikanten Überlebensgewinn (Mittelwert +5,3 %) nur für Epitalon |
Krebsstudien an Nagetieren
Die Wirkungen von Vilon auf Tumoren unterschieden sich je nach Modell, und eine Studie fand einen Schaden.
| Modell | Wichtigstes berichtetes Ergebnis |
|---|---|
| HER-2/neu-transgene Mäuse, die spontan Brustkrebs entwickeln; 1 µg pro Maus unter die Haut an 5 Tagen pro Monat (Anisimov et al., Int J Cancer 2002) | Vilon erhöhte die Brustkrebsinzidenz, verkürzte die Zeit bis zum Auftreten von Tumoren und erhöhte die Gesamtzahl der Tumoren im Vergleich zu Kochsalzlösung (alles statistisch signifikant). Epitalon verringerte Zahl und Größe der Tumoren |
| Gleiches Modell, russischer Bericht (Alimova et al., Vopr Onkol 2002) | Zwei oder mehr Tumoren pro Maus bei 95 % unter Vilon vs. 75 % unter Kochsalzlösung und 56 % unter Epitalon; Lungenmetastasen 2,6-mal häufiger mit Vilon als mit Epitalon |
| Ratten, die ein Blasenkarzinogen erhielten (Pliss et al., Bull Exp Biol Med 2001) | Blasentumoren bei 56 % unter Vilon vs. 75,5 % der Kontrolltiere |
| Mäuse, die das Darmkarzinogen Dimethylhydrazin erhielten; 10 µg/kg (Pliss et al., Vopr Onkol 2005) | Tumoren bei 14,3 % der überlebenden Mäuse unter Vilon vs. 60 % der Kontrolltiere |
| Mäuse mit transplantiertem Lewis-Lungenkarzinom (Barykina et al., Adv Gerontol 2003) | Vilon in einer Dosis von 1 mg/kg verlängerte das Überleben, verkürzte es jedoch, wenn es gleichzeitig mit dem Chemotherapeutikum Cyclophosphamid gegeben wurde |
Weitere Tierstudien
| Modell | Wichtigstes berichtetes Ergebnis |
|---|---|
| Ratten nach Ganzkörper-Gammabestrahlung (6 Gy) (Khavinson et al., Bull Exp Biol Med 2001) | Vilon regte das Wachstum von Thymuszellen und die Aktivität intestinaler Stammzellen an, was als schnellere Erholung strahlenempfindlicher Organe gedeutet wurde |
| Alte männliche Ratten mit einem entfernten Hoden, ein Modell für den altersbedingten Rückgang der Sexualfunktion; 50 µg pro Ratte (Kudriavtseva et al., Adv Gerontol 2006) | Vilon „aktiviert die Sexualfunktion“; Veränderungen bei LH, Prolaktin und ACTH, mit einem deutlichen Abfall des Prolaktins |
| 3 und 11 Monate alte Ratten, die Vilon oral erhielten (Khavinson et al., Bull Exp Biol Med 2001) | Veränderte Aktivität mehrerer Verdauungsenzyme, am stärksten bei den älteren Ratten |
Gruppengrößen und oft auch Dosen und Verabreichungswege fehlen in diesen Abstracts. Die Dosen bei Nagetieren lassen sich nicht auf den Menschen übertragen, und keine dieser Studien war darauf ausgelegt, die Sicherheit zu prüfen.
Nebenwirkungen und Risiken
Keine Sicherheitsdaten beim Menschen
Keine veröffentlichte Studie hat die Sicherheit von Vilon beim Menschen systematisch untersucht. Es gibt keine berichteten Toxikologiestudien (akut, mit wiederholter Gabe, zur Reproduktionstoxizität oder Genotoxizität), keine Dosis-Wirkungs-Daten und keine Daten zu Wechselwirkungen mit Arzneimitteln. Die Wirkungen in Schwangerschaft und Stillzeit, bei Kindern und bei Menschen mit Krebs, Autoimmunerkrankungen oder Nieren- oder Lebererkrankungen sind unbekannt. Die Mausstudie aus dem Jahr 2000 gibt an, dass die Langzeitgabe von Vilon „keine ungünstigen Wirkungen verursachte“ (Khavinson et al., Bull Exp Biol Med 2000), doch das ist eine einzelne Tierstudie und keine Evidenz für die Sicherheit beim Menschen.
Krebssignal
Die deutlichste Warnung stammt aus der eigenen Arbeit der Entwickler. Bei HER-2/neu-Mäusen erhöhte Vilon die Brustkrebsinzidenz und die Tumorzahl und verkürzte die Zeit bis zum Auftreten der Tumoren (Anisimov et al., Int J Cancer 2002). In Stammzellkulturen steigerte es die Expression von IGF1, einem wachstumsfördernden Gen, und von NF-κB, einem zentralen Schalter für Entzündungen (Ashapkin et al., Mol Biol Rep 2020). Andere Nagetierstudien berichteten über weniger Tumoren, die Richtung des Effekts hängt also vom Modell ab. Ob Vilon das Krebsrisiko beim Menschen beeinflusst, wurde nie untersucht.
Wechselwirkung mit Chemotherapie
Bei Mäusen mit Lungentumoren verkürzte Vilon, gleichzeitig mit Cyclophosphamid gegeben, das Überleben, und die Autoren folgerten, dass beide nicht zusammen gegeben werden sollten (Barykina et al., Adv Gerontol 2003). Es gibt keine Daten zu Wechselwirkungen beim Menschen.
Produktqualität
Online als Vilon verkaufte Produkte sind in den USA keine regulierten Arzneimittel. Ihre Identität, Reinheit, Dosis pro Kapsel oder Fläschchen und (bei injizierbaren Formen) Sterilität werden nicht unabhängig überprüft. Injizierte Peptide mit Verunreinigungen oder Aggregaten können Immunreaktionen auslösen, eine Sorge, die die FDA für ähnliche Forschungspeptide wie Epitalon geäußert hat (FDA, 2026).
Das Wichtigste in Kürze
- Ein Peptid aus zwei Aminosäuren. Vilon ist der Handelsname von Lys-Glu (KE), das von Khavinsons Gruppe in St. Petersburg als Thymus-„Bioregulator“ entwickelt und von der Gruppe mit dem Kälberthymus-Extrakt Thymalin in Verbindung gebracht wurde.
- Kein zugelassenes Arzneimittel. Wir haben keine Zulassung durch FDA oder EMA gefunden, und die WADA-Klasse S0 verbietet Substanzen ohne jegliche behördliche Zulassung zur Therapie am Menschen.
- Keine kontrollierten Studien am Menschen. Die Humandaten bestehen aus einigen kleinen russischen Berichten zu Diabetes und älteren Krebspatienten, ohne Angaben zu Patientenzahlen, Dosen, Randomisierung oder Placebo.
- Die Evidenz stammt aus einem einzigen Forschungsnetzwerk. Fast alle Studien betreffen dasselbe Institut oder Mitautoren von dort, oft als russische Arbeiten, von denen nur das Abstract vorliegt.
- Gemischte Tierergebnisse, einschließlich Schaden. Vilon soll bei Nagetieren einige induzierte Tumoren verringert haben, erhöhte aber Brustkrebs bei einem krebsanfälligen Mausstamm und verkürzte das Überleben in Kombination mit Chemotherapie.
- Pharmakokinetik und Sicherheit sind unbekannt. Es wurden keine Daten zu Halbwertszeit, Aufnahme oder Toxikologie veröffentlicht.
Quellen
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