Boswellia ist das Gummiharz von Boswellia serrata, einem in Indien, im Nahen Osten und in Nordafrika heimischen Baum, der auch als Indischer Weihrauch bekannt ist, sowie die daraus hergestellten Extrakte. Das Harz wird seit Jahrhunderten in der ayurvedischen Medizin verwendet (LiverTox). Heute wird es als Nahrungsergänzungsmittel gegen Gelenkschmerzen verkauft, vor allem bei Arthrose, und auch bei Kolitis und Asthma beworben. Als wichtigste Wirkstoffe gelten die Boswelliasäuren, insbesondere Acetyl-11-keto-β-Boswelliasäure (AKBA).
Das Wichtigste: Die klinische Evidenz ist überwiegend klein, kurz und produktspezifisch. Mehrere Metaanalysen von Studien zur Kniearthrose berichten unter Boswellia weniger Schmerzen als unter Placebo. Viele der Studien waren jedoch klein, verwendeten unterschiedliche firmeneigene Extrakte und wurden oft von den Unternehmen finanziert, die diese verkaufen. Der meist zitierte entzündungshemmende Mechanismus, die Hemmung des Enzyms 5-Lipoxygenase, wurde im Labor gezeigt, beim Menschen aber nicht eindeutig.
Diese Seite fasst zusammen, was klinische Studien, Metaanalysen und Informationsangebote der NIH (US-Gesundheitsinstitute) berichten. Sie dient nur der Information und ist keine medizinische Beratung.
| Eigenschaft | Angabe |
|---|---|
| Typ | Pflanzenextrakt; Nahrungsergänzungsmittel |
| Quelle | Gummiharz von Boswellia serrata (Indischer Weihrauch) |
| Wichtigste Wirkstoffe | Boswelliasäuren (pentazyklische Triterpensäuren), darunter AKBA, KBA und β-Boswelliasäure |
| Untersuchte standardisierte Extrakte | 5-Loxin (≥30 % AKBA); Aflapin (≥20 % AKBA plus eine nicht saure Harzfraktion) |
| Anwendungsweg | Oral |
| Dosen in Studien | 100–250 mg/Tag AKBA-angereicherter Extrakte bei Arthrose; 900–4.200 mg/Tag Harz oder Extrakt in Studien zu Asthma, Kolitis und Hirnödem |
| Halbwertszeit | KBA ≈6 h nach einer Einzeldosis von 333 mg; AKBA ≈6,8 h in einer Formulierungsstudie |
| Wichtigster Mechanismus (Labordaten) | Hemmt 5-Lipoxygenase und mikrosomale Prostaglandin-E-Synthase-1 in Zell- und Enzymtests |
| Status in den USA | Als Nahrungsergänzungsmittel verkauft; kein zugelassenes Arzneimittel |
| WADA-Status | Nicht auf der Verbotsliste 2026 aufgeführt |
Was es ist
Boswelliasäuren
Boswellia-Harz enthält eine Gruppe von Triterpensäuren, die Boswelliasäuren genannt werden. Pharmakokinetische Studien messen sechs wichtige davon (Riva et al., Phytomedicine 2016):
| Boswelliasäure | Abkürzung | Hinweis |
|---|---|---|
| 3-O-Acetyl-11-keto-β-Boswelliasäure | AKBA | Stärkster 5-Lipoxygenase-Hemmer in Labortests; C₃₂H₄₈O₅, 512,7 g/mol (PubChem) |
| 11-Keto-β-Boswelliasäure | KBA | Zweite „Keto“-Säure; wird zusammen mit AKBA als Qualitätsmarker verwendet |
| β-Boswelliasäure | βBA | Schwächer an der 5-Lipoxygenase, erreicht aber weit höhere Blutspiegel |
| α-Boswelliasäure sowie die acetylierten Formen von α- und β-Boswelliasäure | αBA, AαBA, AβBA | αBA und AαBA waren in einer Studie nur bei Einnahme mit einer fettreichen Mahlzeit im Plasma nachweisbar (Sterk et al., Planta Med 2004) |
KBA und AKBA sind die Markersubstanzen der Monographie des Europäischen Arzneibuchs für Indischen Weihrauch, und viele Nahrungsergänzungsmittel werben mit ihrem KBA- oder AKBA-Gehalt (Abdel-Tawab et al., Clin Pharmacokinet 2011).
Standardisierte Extrakte
Handelsprodukte unterscheiden sich stark. Eine Analyse von 2021 fand „auffällige Unterschiede“ im Boswelliasäuregehalt zwischen Weihrauchprodukten. Die Autoren führten dies auf unterschiedliche Boswellia-Arten und unterschiedliche Extraktionsverfahren zurück (Börner et al., Pharmaceuticals 2021; finanziert von einem Apothekenunternehmen, dessen CEO Mitautor war). Zwei indische Extrakte desselben Entwicklers gehören zu den am besten untersuchten:
| Extrakt | Zusammensetzung laut Entwickler | Entwickler und Finanzierung |
|---|---|---|
| 5-Loxin | B.-serrata-Extrakt, standardisiert auf mindestens 30 % AKBA | Laila Impex; die Studie von 2008 wurde von Laila Impex finanziert und von Mitarbeitenden des Unternehmens mitverfasst (Sengupta et al., Arthritis Res Ther 2008) |
| Aflapin | AKBA-angereicherter Extrakt kombiniert mit einer nicht flüchtigen Ölfraktion des Harzes; mindestens 20 % AKBA | Laila; die Vergleichsstudie von 2010 wurde „von Laila Nutraceuticals unterstützt“, und 3 Autoren gaben Laila Impex R&D als Zugehörigkeit an (Sengupta et al., Int J Med Sci 2010) |
Weitere in Studien getestete Produkte sind H15 und Boswelan (Extrakte aus deutschen Studien zu Morbus Crohn) sowie Lecithin- oder Mizellenformulierungen zur Verbesserung der Resorption.
Mechanismus: was Laborstudien zeigen
Die klassische Erklärung stammt aus Rattenzellen. In neutrophilen Granulozyten von Ratten blockierten Boswelliasäuren die Bildung von Leukotrien B4, einem Entzündungssignal, das vom Enzym 5-Lipoxygenase (5-LOX) gebildet wird. AKBA war am stärksten, mit einer IC50 (Konzentration, die eine halbmaximale Hemmung bewirkt) von 1,5 µM. In isolierten menschlichen Blutplättchen hemmten Boswelliasäuren bis 400 µM weder die Cyclooxygenase (das Ziel der NSAR) noch die 12-Lipoxygenase (Safayhi et al., J Pharmacol Exp Ther 1992).
Spätere Arbeiten stellten infrage, ob dies beim Menschen geschieht:
- Albumin blockiert den Effekt. In isolierten menschlichen neutrophilen Granulozyten hemmten die Keto-Boswelliasäuren die 5-LOX mit einer IC50 von 2,8–8,8 µM. In menschlichem Vollblut taten sie das nicht. Die Zugabe von Albumin hob den Effekt auf, offenbar weil über 95 % der Säuren daran binden (Siemoneit et al., Eur J Pharmacol 2009).
- Kein Effekt bei Freiwilligen. In derselben Studie senkte eine Einzeldosis von 800 mg Weihrauchextrakt das Plasma-Leukotrien-B4 bei gesunden Freiwilligen nicht.
- Andere Ziele. Boswelliasäuren hemmen die mikrosomale Prostaglandin-E-Synthase-1 (mPGES-1), die das entzündungsfördernde Prostaglandin PGE2 bildet, mit einer IC50 von 3–10 µM. β-Boswelliasäure senkte PGE2 in menschlichem Vollblut im Labor und verringerte Entzündungen bei Ratten und Mäusen (Siemoneit et al., Br J Pharmacol 2011).
Ein Review von 2011 kam zu dem Schluss, dass die 5-LOX-Erklärung „fragwürdig“ ist. Die Plasmaspiegel von AKBA und KBA nach oralen Dosen liegen weit unter den in Labortests wirksamen Konzentrationen. β-Boswelliasäure erreicht etwa 100-fach höhere Plasmaspiegel, was mPGES-1 und die Protease Cathepsin G zu plausibleren Zielen macht (Abdel-Tawab et al., Clin Pharmacokinet 2011). All das sind Zell-, Enzym- und Tierdaten. Keine Studie hat gezeigt, welcher Mechanismus, falls überhaupt einer, die in klinischen Studien berichteten Effekte erklärt.
Pharmakokinetik
Boswelliasäuren, insbesondere AKBA, werden schlecht resorbiert:
- Darmpermeabilität. In Modellen mit menschlichen Darmzellen (Caco-2) passierte AKBA schlecht und KBA mäßig; der größte Teil beider verblieb in der Zellschicht (Krüger et al., Eur J Pharm Sci 2009).
- Stoffwechsel. In Lebermikrosomen von Mensch und Ratte wurde KBA umfassend oxidiert, AKBA dagegen nicht, und AKBA wurde nicht in KBA umgewandelt (Krüger et al., Drug Metab Dispos 2008).
- Nahrung. Die Einnahme von 786 mg Extrakt mit einer fettreichen Mahlzeit erhöhte bei gesunden Männern die Spitzenspiegel und die Gesamtexposition von βBA, KBA und AKBA im Vergleich zur nüchternen Einnahme „um ein Mehrfaches“ (Sterk et al., Planta Med 2004).
| Studie | Produkt und Dosis | Ergebnis |
|---|---|---|
| Sharma et al., Phytomedicine 2004, 12 gesunde Männer | 333 mg B.-serrata-Extrakt, Einzeldosis | KBA-Maximum nach 4,5 h; Eliminationshalbwertszeit 5,97 h |
| Kulkarni et al., Drug Metab Pers Ther 2021, 10 gesunde Freiwillige | 333 mg Formulierung aus festen Lipidpartikeln | AKBA-Maximum 8,04 ng/mL (≈0,016 µM) nach 1,5 h, Halbwertszeit 6,8 h; KBA-Maximum 23,83 ng/mL, Halbwertszeit 2,45 h |
| Schmiech et al., Phytomedicine 2024, 20 gesunde Freiwillige, Crossover | 800 mg Mizellenform vs. Standardextrakt | Die Mizellenform erhöhte die relative Bioverfügbarkeit von Boswellia- und Lupeolsäuren auf 1.720–4.291 %, am stärksten für AKBA |
| Riva et al., Phytomedicine 2016, 12 Freiwillige, Crossover | 500 mg Lecithinformulierung vs. Standardextrakt | Schnellere und höhere Resorption der wichtigsten Boswelliasäuren außer KBA (die ersten vier Autoren waren bei Indena S.p.A. tätig) |
Dass eine bessere Resorption auch eine bessere Wirkung bedeutet, wurde nicht gezeigt. In der Mizellenstudie von 2024 verbesserten höhere Blutspiegel die entzündungshemmende Aktivität in außerhalb des Körpers (ex vivo) getesteten Blutproben nicht, und der Standardextrakt schnitt bei einem Zytokin etwas besser ab (Schmiech et al., Phytomedicine 2024).
Regulatorischer Status
- USA. Boswellia wird als Nahrungsergänzungsmittel verkauft. Ein Review von 2021 stellte fest, dass Weihrauchpräparate als Nutrazeutika vermarktet werden, aber nicht als Arzneimittel zugelassen sind (Börner et al., Pharmaceuticals 2021).
- Europäische Union. 2002 erteilte die Europäische Arzneimittel-Agentur B.-serrata-Extrakt den Orphan-Drug-Status (Arzneimittel für seltene Leiden) für das peritumorale Hirnödem (Schwellung um Hirntumoren) (Abdel-Tawab et al., Clin Pharmacokinet 2011). Eine solche Ausweisung ist keine Zulassung.
- Sport. Boswellia und Boswelliasäuren stehen nicht auf der WADA-Verbotsliste 2026.
Was die Forschung zeigt
Kniearthrose: Metaanalysen
Arthrose ist die Anwendung mit den meisten Studien. Gepoolte Ergebnisse sprechen bei kurzfristigen Schmerzen und der Funktion meist für Boswellia gegenüber Placebo, doch die Reviews sind sich uneinig, wie sehr man ihnen trauen kann.
| Review | Studien und Teilnehmende | Wichtigstes Ergebnis |
|---|---|---|
| Ernst, BMJ 2008 (alle Erkrankungen) | 7 RCTs | Alle berichteten einen Nutzen; 3 von guter Qualität; Evidenz „ermutigend, aber nicht überzeugend“ |
| Cameron & Chrubasik, Cochrane 2014 | 5 Studien zu 3 Boswellia-Extrakten | 100 mg/Tag angereicherter Extrakt über 90 Tage (2 Studien, 85 Personen): Schmerz −17 Punkte auf einer Skala von 0–100 (95-%-KI 8–26) vs. Placebo; Funktion −8 Punkte (95-%-KI 2–14) |
| Liu et al., BJSM 2018 (20 Nahrungsergänzungsmittel) | Insgesamt 69 Studien | Boswellia unter 7 Nahrungsergänzungsmitteln mit großen kurzfristigen Schmerzeffekten (Effektstärke über 0,80); kein Mittel hatte klinisch bedeutsame Langzeiteffekte; Evidenzqualität sehr niedrig bis hoch |
| Bannuru et al., Semin Arthritis Rheum 2018 (mit Curcumin) | 11 RCTs, n = 1.009 | Boswellia besser als Placebo bei Schmerz und Funktion; Studienqualität insgesamt gering; keine Studien gegen zugelassene NSAR |
| Yu et al., BMC Complement Med Ther 2020 | 7 RCTs, n = 545 | VAS-Schmerz WMD −8,33 (95-%-KI −11,19 bis −5,46); WOMAC-Schmerz WMD −14,22 (95-%-KI −22,34 bis −6,09); Heterogenität sehr hoch (I² 94–99 %) |
| Dalmonte et al., Phytother Res 2024 | 13 Studien; 850 (WOMAC) und 1.185 (VAS) Patienten | Gesamteffekt wegen hoher Heterogenität nicht signifikant (p = 0,087 WOMAC; p = 0,40 VAS); signifikanter Nutzen nur in der placebokontrollierten Subgruppe |
| Dubey et al., Explore 2024 | 9 RCTs, n = 712 | VAS MD −10,71; Aflapin-Subgruppe −16,09 vs. −4,68 für andere Extrakte. Alle drei Autoren waren Angestellte eines indischen Herstellers von Nahrungsergänzungsmitteln |
| Zhang et al., Nutrients 2025 (Netzwerk-Metaanalyse, 7 Nahrungsergänzungsmittel) | 39 RCTs, n = 4.599 | Boswellia vs. Placebo: WOMAC-Schmerz MD 10,58 (95-%-KI 6,45–14,78), VAS-Schmerz MD 17,26 (95-%-KI 8,06–26,52); mit höchster Wahrscheinlichkeit am besten bei Schmerz und Steifigkeit eingestuft |
Im Cochrane-Review schloss das 95-%-Konfidenzintervall für Schmerz eine Reduktion um 15 Punkte ein, die die Autoren als klinisch bedeutsam ansahen. Dennoch folgerten sie nur, dass Boswellia-Extrakte „Trends zu einem Nutzen zeigen, die weitere Untersuchungen rechtfertigen“ (Cameron & Chrubasik, Cochrane 2014).
Zu anderen Gelenk-Nahrungsergänzungsmitteln siehe Glucosamin und Chondroitin, MSM, Kollagenpeptide und Kurkuma. In der BJSM-Metaanalyse hatten Glucosamin, Chondroitin und MSM statistisch signifikante, aber kleine Effekte unklarer klinischer Bedeutung (Liu et al., BJSM 2018).
Kniearthrose: Qualität der Studien
Mehrere Probleme begrenzen, wie weit man diesen Ergebnissen trauen kann:
- Klein und kurz. Die meisten Studien schlossen weniger als 100 Personen ein (Bannuru et al., 2018). Yu et al. bewerteten die Studienqualität als „im Allgemeinen mittel bis niedrig“ (Yu et al., 2020). Ernst fand kleine Stichproben und unvollständige Berichterstattung als häufigste Mängel (Ernst, BMJ 2008). Kein Nahrungsergänzungsmittel im BJSM-Review zeigte über den kurzen Zeitraum hinaus klinisch bedeutsame Effekte (Liu et al., 2018).
- Finanzierung durch die Industrie. Die zentralen Studien zu 5-Loxin und Aflapin wurden vom Entwickler der Produkte finanziert und von dessen Personal mitverfasst. Ihre Abstracts beschreiben die Produkte als „sicher für den menschlichen Verzehr“ und berichten einen Nutzen innerhalb von 7 Tagen.
- Unterschiedliche Produkte. Gepoolte Analysen kombinieren Extrakte sehr unterschiedlicher Zusammensetzung, was die sehr hohe Heterogenität mit erklärt.
- Unabhängige Studien sind seltener und weniger positiv. Die unabhängige australische ATLAS-Studie testete bei 84 Erwachsenen täglich eine Kombination aus 250 mg Boswellia, 100 mg Kiefernrinde, 1.500 mg MSM, 500 mg Curcumin und 5 mg Piperin. Nach 12 Wochen sanken die Schmerzen in beiden Gruppen um etwa 20 mm (20,1 vs. 20,3 mm auf einer VAS von 0–100), ohne Unterschied zu Placebo (Yuan et al., Osteoarthritis Cartilage 2026).
Die beiden am häufigsten zitierten Laila-Studien:
| Studie | Design und n | Arme (täglich) | Dauer | Berichtetes Ergebnis | Finanzierung |
|---|---|---|---|---|---|
| Sengupta et al., 2008 | Doppelblinde RCT, monozentrisch, 75 randomisiert, 70 abgeschlossen | 5-Loxin 100 mg oder 250 mg oder Placebo | 90 Tage | Beide Dosen verbesserten Schmerz und Funktion vs. Placebo; 250 mg signifikant ab Tag 7; niedrigeres MMP-3 (ein knorpelabbauendes Enzym) in der Gelenkflüssigkeit | Laila Impex; 3 Autoren waren Angestellte des Unternehmens |
| Sengupta et al., 2010 | Doppelblinde RCT, 60 randomisiert (20 pro Arm), 57 abgeschlossen | 5-Loxin 100 mg, Aflapin 100 mg oder Placebo | 90 Tage | Beide verbesserten Schmerz und Funktion; Aflapin signifikant ab Tag 7 | Laila Nutraceuticals |
Chronisch-entzündliche Darmerkrankungen
Die Evidenz zu chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen (CED) stammt aus wenigen kleinen Studien mit gemischten Ergebnissen:
| Studie | Erkrankung und Design | Dosis | Ergebnis |
|---|---|---|---|
| Gupta et al., Eur J Med Res 1997 | Colitis ulcerosa; kleiner Vergleich mit Sulfasalazin | 350 mg Gummiharz dreimal täglich, 6 Wochen | Remission 82 % vs. 75 % mit Sulfasalazin |
| Gerhardt et al., Z Gastroenterol 2001 | Aktiver Morbus Crohn; doppelblinde Nichtunterlegenheitsstudie vs. Mesalazin, 102 randomisiert | Extrakt H15 | CDAI (Krankheitsaktivitätsscore) sank um 90 vs. 53 Punkte; Mesalazin nicht unterlegen, nicht signifikant besser |
| Madisch et al., Int J Colorectal Dis 2007 | Kollagene Kolitis; doppelblinde RCT vs. Placebo, 31 randomisiert | 400 mg dreimal täglich, 6 Wochen | Remission 63,6 % vs. 26,7 % per Protokoll (p = 0,04), aber 43,8 % vs. 26,7 % nach Intention-to-treat (p = 0,25); kein Effekt auf die Histologie |
| Holtmeier et al., Inflamm Bowel Dis 2011 | Morbus Crohn in Remission; doppelblinde RCT vs. Placebo, 82 randomisiert | Boswelan 2.400 mg/Tag (6 × 400-mg-Kapseln), 52 Wochen | Vorzeitig beendet; Remission erhalten bei 59,9 % vs. 55,3 % unter Placebo (P = 0,85) |
Die größte und längste placebokontrollierte Studie, zur Erhaltungstherapie bei Morbus Crohn, war negativ. Die positiven Ergebnisse stammen aus kleinen Studien, Designs mit aktiver Kontrolle oder Per-Protokoll-Analysen. Boswellia hat keine etablierte Rolle bei CED.
Asthma
Eine 6-wöchige, doppelblinde Studie randomisierte 40 Patienten auf 300 mg Gummiharz dreimal täglich und 40 auf Laktose-Placebo. Sie berichtete eine Besserung bei 70 % vs. 27 %, beurteilt anhand einer Kombination aus Symptomen, Lungenfunktion und Blutbild (Gupta et al., Eur J Med Res 1998). Die Gruppen unterschieden sich zu Beginn in Altersspanne und Geschlechterverhältnis. Der Review von Ernst 2008 schloss sie als einzige Asthmastudie ein und merkte an, dass sich die beiden Gruppen auch im Schweregrad des Asthmas unterschieden (Ernst, BMJ 2008). Die Evidenz bei Asthma ist sehr begrenzt.
Hirnödem nach Strahlentherapie
In einer doppelblinden Pilot-RCT nahmen 44 Patienten unter Strahlentherapie des Gehirns B. serrata 4.200 mg/Tag oder Placebo ein. Das Ödemvolumen in der MRT sank bei 60 % der Boswellia-Gruppe um mehr als 75 %, gegenüber 26 % der Placebogruppe (P = 0,023). Die Dexamethason-Dosen unterschieden sich nicht, und Lebensqualität und kognitive Leistung blieben unverändert (Kirste et al., Cancer 2011). Die Autoren forderten größere Studien.
Nebenwirkungen und Risiken
Allgemeine Verträglichkeit
Studien berichten im Allgemeinen wenige Nebenwirkungen:
- Arthrose. Der Cochrane-Review fand keine schwerwiegenden unerwünschten Ereignisse. In einer Studie waren unerwünschte Ereignisse mit angereichertem Extrakt seltener als mit Placebo (18/48 vs. 30/48; RR 0,60, 95-%-KI 0,39–0,92) (Cameron & Chrubasik, Cochrane 2014). Über alle Nahrungsergänzungsmittel hinweg unterschied sich die Sicherheit nicht von Placebo (Liu et al., BJSM 2018).
- Langzeitanwendung. In der 52-wöchigen Morbus-Crohn-Studie (2.400 mg/Tag) gab es im Vergleich zu Placebo keine Sicherheitsnachteile (Holtmeier et al., 2011).
- Hohe Dosis. Bei 4.200 mg/Tag berichteten 6 Patienten leichte Magen- oder Darmbeschwerden; schwere unerwünschte Ereignisse gab es nicht (Kirste et al., 2011).
- Haut. Eine allergische Kontaktdermatitis wurde nach einer Creme mit B.-serrata-Extrakt berichtet (Acebo et al., Contact Dermatitis 2004).
Die meisten Studien waren klein und dauerten einige Monate, sodass seltene oder langfristige Schäden nicht ausgeschlossen werden können. In den ausgewerteten Quellen fanden wir keine Sicherheitsdaten zu Schwangerschaft oder Stillzeit.
Leber
LiverTox (NIH) gibt an, dass B.-serrata-Extrakte weder mit Anstiegen der Leberenzyme (Aminotransferasen) während der Behandlung noch mit Fällen klinisch manifester Leberschädigung in Verbindung gebracht wurden (LiverTox: Boswellia Serrata). Viele Gelenkprodukte kombinieren Boswellia mit Kurkuma, das ein eigenes Lebersicherheitsprofil hat (siehe Kurkuma).
Wechselwirkungen
Kontrollierte Wechselwirkungsstudien am Menschen wurden nicht gefunden. Laborstudien deuten auf einige mögliche Wechselwirkungen hin:
- Cytochrom-P450-Enzyme. Harzextrakte von vier Boswellia-Arten, darunter B. serrata, waren in vitro starke, nicht selektive Hemmer von CYP1A2, 2C8, 2C9, 2C19, 2D6 und 3A4. Die Boswelliasäuren waren nicht die wichtigsten hemmenden Substanzen (Frank & Unger, J Chromatogr A 2006).
- Arzneistofftransporter. In Zelltests modulierten KBA und AKBA OATP1B3 und MRP2, zwei Transporter, die viele Arzneimittel befördern. Die Autoren schrieben, es seien „therapeutisch relevante Wechselwirkungen mit anderen anionischen Arzneistoffen zu erwarten“ (Krüger et al., 2009).
Ob diese Effekte bei den niedrigen Blutspiegeln auftreten, die beim Menschen erreicht werden, ist unbekannt.
Das Wichtigste in Kürze
- Ein Harzextrakt mit schwankendem Gehalt. Boswellia-Präparate enthalten Boswelliasäuren wie AKBA, doch die Produkte unterscheiden sich stark, und Studienergebnisse gelten für den jeweils getesteten Extrakt.
- Mäßiger kurzfristiger Nutzen bei Arthrose, Evidenz mit geringer Vertrauenswürdigkeit. Metaanalysen sprechen bei Knieschmerzen über Wochen bis wenige Monate für Boswellia gegenüber Placebo. Die Studien sind klein, heterogen und oft von Herstellern finanziert, und eine unabhängige 12-wöchige Studie mit einer Boswellia-Kombination fand keinen Nutzen.
- Mechanismus beim Menschen nicht belegt. Die Hemmung der 5-Lipoxygenase ist in Labortests eindeutig, wird in Vollblut aber durch Albumin blockiert und war bei Freiwilligen nicht zu sehen. Andere Ziele wie mPGES-1 sind ebenfalls Laborbefunde.
- Schlechte Resorption. AKBA erreicht im Blut niedrige Spiegel im Bereich von Nanogramm pro Milliliter. Fettreiche Mahlzeiten und Lecithin- oder Mizellenformulierungen erhöhen die Spiegel, doch eine bessere Wirkung wurde dadurch nicht gezeigt.
- CED und Asthma sind keine etablierten Anwendungen. Kleine frühe Studien waren positiv, doch die längste placebokontrollierte Morbus-Crohn-Studie war negativ, und beim Asthma stützt sich alles auf eine Studie von 1998.
- Im Allgemeinen gut verträglich. Studien berichten vor allem leichte Magenbeschwerden, und LiverTox führt keine Fälle von Leberschädigung auf. Arzneimittelwechselwirkungen sind laut Labordaten möglich, wurden beim Menschen aber nicht untersucht.
Quellen
- Safayhi H, Mack T, Sabieraj J, et al. Boswellic acids: novel, specific, nonredox inhibitors of 5-lipoxygenase. J Pharmacol Exp Ther. 1992;261(3):1143–1146. PubMed.
- Siemoneit U, Pergola C, Jazzar B, et al. On the interference of boswellic acids with 5-lipoxygenase: mechanistic studies in vitro and pharmacological relevance. Eur J Pharmacol. 2009;606(1-3):246–254. PubMed.
- Siemoneit U, Koeberle A, Rossi A, et al. Inhibition of microsomal prostaglandin E2 synthase-1 as a molecular basis for the anti-inflammatory actions of boswellic acids from frankincense. Br J Pharmacol. 2011;162(1):147–162. PubMed.
- Abdel-Tawab M, Werz O, Schubert-Zsilavecz M. Boswellia serrata: an overall assessment of in vitro, preclinical, pharmacokinetic and clinical data. Clin Pharmacokinet. 2011;50(6):349–369. PubMed.
- Börner F, Werner M, Ertelt J, et al. Analysis of boswellic acid contents and related pharmacological activities of frankincense-based remedies that modulate inflammation. Pharmaceuticals (Basel). 2021;14(7):660. PubMed.
- National Center for Biotechnology Information. Acetyl-11-keto-beta-boswellic acid (CID 11168203). PubChem. PubChem.
- Krüger P, Kanzer J, Hummel J, et al. Permeation of Boswellia extract in the Caco-2 model and possible interactions of its constituents KBA and AKBA with OATP1B3 and MRP2. Eur J Pharm Sci. 2009;36(2-3):275–284. PubMed.
- Krüger P, Daneshfar R, Eckert GP, et al. Metabolism of boswellic acids in vitro and in vivo. Drug Metab Dispos. 2008;36(6):1135–1142. PubMed.
- Sterk V, Büchele B, Simmet T. Effect of food intake on the bioavailability of boswellic acids from a herbal preparation in healthy volunteers. Planta Med. 2004;70(12):1155–1160. PubMed.
- Sharma S, Thawani V, Hingorani L, et al. Pharmacokinetic study of 11-Keto beta-Boswellic acid. Phytomedicine. 2004;11(2-3):255–260. PubMed.
- Kulkarni PD, Damle ND, Hingorani L, et al. Pharmacokinetics of solid lipid Boswellia serrata particles in healthy subjects. Drug Metab Pers Ther. 2021;36(3):215–221. PubMed.
- Schmiech M, Abdel-Kahaar E, Ulrich J, et al. Single-dose comparative pharmacokinetic/pharmacodynamic study of a micellar formulation versus a native Boswellia serrata dry extract in healthy volunteers. Phytomedicine. 2024;132:155863. PubMed.
- Riva A, Morazzoni P, Artaria C, et al. A single-dose, randomized, cross-over, two-way, open-label study for comparing the absorption of boswellic acids and its lecithin formulation. Phytomedicine. 2016;23(12):1375–1382. PubMed.
- Ernst E. Frankincense: systematic review. BMJ. 2008;337:a2813. PubMed.
- Cameron M, Chrubasik S. Oral herbal therapies for treating osteoarthritis. Cochrane Database Syst Rev. 2014;(5):CD002947. PubMed.
- Liu X, Machado GC, Eyles JP, et al. Dietary supplements for treating osteoarthritis: a systematic review and meta-analysis. Br J Sports Med. 2018;52(3):167–175. PubMed.
- Bannuru RR, Osani MC, Al-Eid F, et al. Efficacy of curcumin and Boswellia for knee osteoarthritis: systematic review and meta-analysis. Semin Arthritis Rheum. 2018;48(3):416–429. PubMed.
- Yu G, Xiang W, Zhang T, et al. Effectiveness of Boswellia and Boswellia extract for osteoarthritis patients: a systematic review and meta-analysis. BMC Complement Med Ther. 2020;20(1):225. PubMed.
- Dalmonte T, Andreani G, Rudelli C, et al. Efficacy of extracts of oleogum resin of Boswellia in the treatment of knee osteoarthritis: a systematic review and meta-analysis. Phytother Res. 2024;38(12):5672–5689. PubMed.
- Dubey V, Kheni D, Sureja V. Efficacy evaluation of standardized Boswellia serrata extract (Aflapin) in osteoarthritis: a systematic review and sub-group meta-analysis study. Explore (NY). 2024;20(5):102983. PubMed.
- Zhang Y, Gui Y, Adams R, et al. Comparative effectiveness of nutritional supplements in the treatment of knee osteoarthritis: a network meta-analysis. Nutrients. 2025;17(15):2547. PubMed.
- Sengupta K, Alluri KV, Satish AR, et al. A double blind, randomized, placebo controlled study of the efficacy and safety of 5-Loxin for treatment of osteoarthritis of the knee. Arthritis Res Ther. 2008;10(4):R85. PubMed.
- Sengupta K, Krishnaraju AV, Vishal AA, et al. Comparative efficacy and tolerability of 5-Loxin and Aflapin against osteoarthritis of the knee: a double blind, randomized, placebo controlled clinical study. Int J Med Sci. 2010;7(6):366–377. PubMed.
- Yuan S, Liu X, Bracken K, et al. Effect of an oral complementary medicine combination for symptomatic knee osteoarthritis: a double-blind, randomized, placebo-controlled trial. Osteoarthritis Cartilage. 2026;34(10):1515–1524. PubMed.
- Gupta I, Parihar A, Malhotra P, et al. Effects of Boswellia serrata gum resin in patients with ulcerative colitis. Eur J Med Res. 1997;2(1):37–43. PubMed.
- Gerhardt H, Seifert F, Buvari P, et al. Therapy of active Crohn disease with Boswellia serrata extract H 15 [auf Deutsch]. Z Gastroenterol. 2001;39(1):11–17. PubMed.
- Madisch A, Miehlke S, Eichele O, et al. Boswellia serrata extract for the treatment of collagenous colitis. A double-blind, randomized, placebo-controlled, multicenter trial. Int J Colorectal Dis. 2007;22(12):1445–1451. PubMed.
- Holtmeier W, Zeuzem S, Preiss J, et al. Randomized, placebo-controlled, double-blind trial of Boswellia serrata in maintaining remission of Crohn’s disease: good safety profile but lack of efficacy. Inflamm Bowel Dis. 2011;17(2):573–582. PubMed.
- Gupta I, Gupta V, Parihar A, et al. Effects of Boswellia serrata gum resin in patients with bronchial asthma: results of a double-blind, placebo-controlled, 6-week clinical study. Eur J Med Res. 1998;3(11):511–514. PubMed.
- Kirste S, Treier M, Wehrle SJ, et al. Boswellia serrata acts on cerebral edema in patients irradiated for brain tumors: a prospective, randomized, placebo-controlled, double-blind pilot trial. Cancer. 2011;117(16):3788–3795. PubMed.
- Acebo E, Ratón JA, Sautúa S, et al. Allergic contact dermatitis from Boswellia serrata extract in a naturopathic cream. Contact Dermatitis. 2004;51(2):91–92. PubMed.
- National Institute of Diabetes and Digestive and Kidney Diseases. LiverTox: Boswellia Serrata. Aktualisiert am 4. November 2020. NCBI Bookshelf.
- Frank A, Unger M. Analysis of frankincense from various Boswellia species with inhibitory activity on human drug metabolising cytochrome P450 enzymes using liquid chromatography mass spectrometry after automated on-line extraction. J Chromatogr A. 2006;1112(1-2):255–262. PubMed.
- World Anti-Doping Agency. World Anti-Doping Code International Standard: Prohibited List 2026. WADA.