Grüntee-Extrakt ist eine konzentrierte Zubereitung aus den Blättern von Camellia sinensis, derselben Pflanze, aus der auch Schwarz- und Oolongtee hergestellt werden. Seine wichtigsten Wirkstoffe sind Catechine, eine Gruppe von Polyphenolen, von denen Epigallocatechingallat (EGCG) am besten untersucht ist. Viele Extrakte enthalten außerdem Koffein. Grüntee-Extrakt ist einer der häufigsten Inhaltsstoffe in „Fatburner“-Nahrungsergänzungsmitteln.
Der Effekt auf das Gewicht ist klein. Ein Cochrane-Review ergab, dass Grüntee-Zubereitungen einen kleinen, statistisch nicht signifikanten Gewichtsverlust bewirken, der klinisch wahrscheinlich nicht bedeutsam ist. Wichtiger ist das Sicherheitssignal: Konzentrierte Extrakte wurden mit seltenen, aber teils schweren Leberschäden in Verbindung gebracht, und die europäischen Behörden kamen 2018 zu dem Schluss, dass eine tägliche Aufnahme von 800 mg EGCG oder mehr aus Nahrungsergänzungsmitteln die Leberenzyme erhöht.
Diese Seite fasst zusammen, was Metaanalysen, klinische Studien und Behörden (EFSA, USP, LiverTox) berichten. Sie dient nur der Information und ist keine medizinische Beratung.
| Eigenschaft | Angabe |
|---|---|
| Typ | Pflanzenextrakt (in den USA „dietary supplement“; in der EU Nahrungsergänzungsmittel) |
| Hauptwirkstoffe | Catechine (EGCG, ECG, EGC, EC); Koffein, sofern nicht entkoffeiniert |
| Chemie von EGCG | C₂₂H₁₈O₁₁, 458,4 g/mol (PubChem) |
| Anwendungsweg | Oral (Kapseln, Tabletten, Getränkepulver); ein topisches verschreibungspflichtiges Arzneimittel (Veregen) |
| EGCG in Nahrungsergänzungsmitteln (EU-Erhebung) | 5–1.000 mg/Tag laut empfohlener Tagesdosis |
| Halbwertszeit von EGCG | 1,9–4,6 h nach Einzeldosen von 50–1.600 mg im Nüchternzustand |
| Effekt auf das Gewicht | Im Cochrane-Review klein und statistisch nicht signifikant |
| Hauptrisiko | Idiosynkratische Leberschädigung; Enzymanstiege ab 800 mg EGCG/Tag |
| EU-Regel | Die Tagesportion muss weniger als 800 mg EGCG enthalten (Verordnung (EU) 2022/2340) |
| WADA | Nicht auf der Verbotsliste 2026; Koffein wird nur überwacht |
Was es ist
Grüner Tee wird hergestellt, indem die Blätter gedämpft oder in der Pfanne erhitzt und getrocknet werden, ohne sie zu fermentieren, während Schwarztee fermentiert wird (NCCIH). Der Verzicht auf die Fermentation verhindert, dass die Polyphenole oxidieren. Die EFSA (Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit) berichtet, dass Polyphenole bis zu 30 % des Trockengewichts grüner Teeblätter ausmachen und dass es sich überwiegend um Catechine handelt (EFSA 2018).
Die vier wichtigsten Catechine sind:
- Epigallocatechingallat (EGCG), das die EFSA als das relevanteste Catechin ansieht, auch im Hinblick auf die Lebertoxizität;
- Epicatechingallat (ECG);
- Epigallocatechin (EGC);
- Epicatechin (EC).
Grüne Teeblätter enthalten außerdem Koffein (2,9–4,2 % des Blattgewichts), kleine Mengen Theobromin und Theophyllin sowie die Aminosäure L-Theanin (EFSA 2018). Extrakte konzentrieren diese Substanzen. Manche Extrakte behalten das Koffein; andere werden als „entkoffeiniert“ verkauft und vor allem auf EGCG standardisiert.
Koffein- und Catechingehalt schwanken stark
Wie viel EGCG und Koffein jemand tatsächlich aufnimmt, hängt stark vom Produkt ab:
| Quelle | Befund |
|---|---|
| Getrocknete grüne Teeblätter | EGCG 1.600–20.320 mg pro 100 g (13-fache Spanne) (EFSA 2018) |
| Aufgebrühter grüner Tee | EGCG 2,3–203 mg pro 100 g Aufguss (88-fache Spanne) |
| Grünteetrinkende in der EU | Im Mittel 90–300 mg EGCG/Tag; Vieltrinkende bis 866 mg/Tag |
| Nahrungsergänzungsmittel in der EU | 5–1.000 mg EGCG/Tag laut empfohlener Tagesdosis |
| Kapseln der Minnesota Green Tea Trial | 843 mg EGCG und 15,8 mg Koffein pro Tag (entkoffeinierter Extrakt) (Yu et al., 2017) |
Da viele Abnehmprodukte zusätzlich Koffein enthalten, spielt die Koffeindosis eine eigene Rolle. Zu seinen Wirkungen und Grenzen siehe die Seite zu Koffein.
Das einzige zugelassene Arzneimittel
Das einzige von der FDA (US-Arzneimittelbehörde) zugelassene Grüntee-Produkt ist eine verschreibungspflichtige Salbe. Veregen (Sinecatechine) 15 % Salbe ist ein teilweise gereinigter wässriger Extrakt aus grünen Teeblättern mit 85–95 Gewichtsprozent Catechinen und mehr als 55 % EGCG. Sie ist für äußerliche Feigwarzen im Genital- und Perianalbereich bei immunkompetenten Erwachsenen zugelassen (Veregen-Fachinformation). Sie wird auf die Haut aufgetragen und spielt beim Abnehmen keine Rolle.
Wie es im Körper wirkt
Für die Fettabbau-Versprechen werden zwei Mechanismen vorgeschlagen:
- Koffein allein erhöht den 24-Stunden-Energieverbrauch (Hursel et al., Obes Rev 2011).
- Catechine sollen dies verstärken, indem sie die sympathische (noradrenalingesteuerte) Thermogenese steigern. In einer Studie in der Respirationskammer erhöhte der Extrakt die Noradrenalinausscheidung im 24-Stunden-Urin um 40 %, während dieselbe Menge Koffein allein den Energieverbrauch nicht veränderte (Dulloo et al., AJCN 1999).
Resorption und Halbwertszeit
Die orale Bioverfügbarkeit der Grüntee-Catechine ist gering. Im Plasma liegen EGCG und ECG überwiegend in freier (unkonjugierter) Form vor, EC und EGC dagegen überwiegend als Glucuronid- und Sulfatkonjugate (Chow et al., 2005).
In einer Studie mit aufsteigenden Einzeldosen erhielten 60 gesunde Männer nüchtern 94 % reines EGCG (50–1.600 mg; 8 Männer pro Dosisgruppe) oder Placebo (Ullmann et al., 2003):
| Parameter | Ergebnis über die Dosisgruppen |
|---|---|
| Zeit bis zum Maximum | 1,3–2,2 h |
| Maximale Plasmakonzentration von EGCG | 130–3.392 ng/mL |
| Gesamtexposition (AUC) | 442–10.368 ng·h/mL |
| Terminale Halbwertszeit | 1,9–4,6 h |
Nüchtern vs. mit Mahlzeit
Nahrung senkt stark, wie viel EGCG ins Blut gelangt. In einer Crossover-Studie nahmen 30 gesunde Erwachsene Polyphenon E (eine entkoffeinierte Catechinmischung) mit 400, 800 oder 1.200 mg EGCG ein, einmal nüchtern und einmal mit einem leichten Frühstück (Chow et al., 2005):
- die durchschnittliche maximale Konzentration an freiem EGCG war bei nüchterner Einnahme mehr als 3,5-mal höher;
- leichte, kurz anhaltende Übelkeit trat am häufigsten bei 1.200 mg und im Nüchternzustand auf.
Das USP-Expertengremium schloss, dass wiederholte Bolusdosen im Nüchternzustand die Bioverfügbarkeit von EGCG „signifikant“ erhöhen, möglicherweise durch Sättigung der First-Pass-Elimination. Es merkte außerdem an, dass Menschen, die abnehmen wollen, oft weniger essen, was einem Nüchternzustand ähneln kann (Oketch-Rabah et al., USP 2020). Bei Beagle-Hunden zeigten nüchterne Tiere, die 13 Wochen lang eine EGCG-reiche Zubereitung erhielten, bei den höheren Dosen Erkrankungen und Todesfälle, gefütterte Hunde, die rekristallisiertes EGCG erhielten, dagegen nicht (die beiden Studien verwendeten außerdem unterschiedliche Zubereitungen). Das sind Tierdaten, aber sie tragen dazu bei, dass die nüchterne Einnahme als Risikofaktor gilt.
Die Einnahme zusammen mit einer Mahlzeit garantiert keine Sicherheit. In der Minnesota Green Tea Trial wurden die Kapseln zum Frühstück und zum Abendessen eingenommen, und dennoch kam es zu Anstiegen der Leberenzyme (siehe unten).
Regulatorischer Status
- USA. Grüntee-Extrakt wird als Nahrungsergänzungsmittel verkauft. Nahrungsergänzungsmittel werden vor dem Verkauf nicht von der FDA zugelassen; für Sicherheit und Kennzeichnung sind die Hersteller verantwortlich (NCCIH). Die USP-Monographie für Powdered Decaffeinated Green Tea Extract schreibt einen Warnhinweis auf dem Etikett vor: nicht auf nüchternen Magen einnehmen, mit einer Mahlzeit einnehmen, bei Leberproblemen nicht anwenden und bei Symptomen einer Lebererkrankung absetzen. Das gilt nur für Produkte, die USP-Konformität angeben (Oketch-Rabah et al., USP 2020).
- EU. Seit 2022 sind EGCG-haltige Grüntee-Extrakte ein Stoff mit Verwendungsbeschränkungen. Eine Tagesportion muss weniger als 800 mg EGCG enthalten, und das Etikett muss den EGCG-Gehalt pro Portion angeben und davor warnen, das Produkt auf nüchternen Magen, am selben Tag zusammen mit anderen Grüntee-Produkten oder als Schwangere, Stillende oder Kind unter 18 Jahren einzunehmen. Die Extrakte stehen zudem unter Gemeinschaftskontrolle (Union scrutiny). Wässrige Extrakte, die traditionellen Teeaufgüssen vergleichbar sind, sind ausgenommen (Verordnung (EU) 2022/2340).
- Sport. Grüner Tee steht nicht auf der WADA-Verbotsliste 2026. Koffein und Synephrin sind im Überwachungsprogramm 2026 enthalten und nicht verboten.
Was die Forschung zeigt
Gewichtsabnahme bei übergewichtigen und adipösen Erwachsenen
Der Cochrane-Review von 2012 schloss randomisierte Studien mit mindestens 12 Wochen Dauer bei übergewichtigen oder adipösen Erwachsenen ein (Jurgens et al., Cochrane 2012). Studien aus Japan unterschieden sich zu stark von den übrigen, um sie zusammenzufassen, daher wurden die Ergebnisse getrennt berichtet:
| Endpunkt | Studien außerhalb Japans (gepoolt) | Studien in Japan (nicht gepoolt, n = 1.030) |
|---|---|---|
| Gewichtsänderung vs. Kontrolle | −0,04 kg (95-%-KI −0,5 bis 0,4); 6 Studien, 532 Teilnehmende | −0,2 bis −3,5 kg |
| BMI-Änderung | −0,2 kg/m² (95-%-KI −0,5 bis 0,1) | Kein Effekt bis −1,3 kg/m² |
| Taillenumfang | −0,2 cm (95-%-KI −1,4 bis 0,9) | +1 bis −3,3 cm |
| Gewichtserhalt nach Abnahme | Kein signifikanter Effekt (2 Studien, 184 Teilnehmende) | — |
Die Autoren schlossen, dass grüner Tee einen kleinen, nicht signifikanten Gewichtsverlust bewirkt, der „wahrscheinlich nicht klinisch bedeutsam“ ist.
Andere Metaanalysen fielen etwas positiver aus, zeigen aber ebenfalls nur kleine Effekte:
- Eine Metaanalyse von 2009 mit 11 Studien ergab, dass Catechine oder EGCG-Koffein-Mischungen das Körpergewicht im Mittel um 1,31 kg senkten. Der Effekt schien bei Menschen mit hohem gewohnheitsmäßigem Koffeinkonsum (über 300 mg/Tag) und bei kaukasischen im Vergleich zu asiatischen Teilnehmenden kleiner zu sein, wobei keiner der beiden Unterschiede für sich allein Signifikanz erreichte (Hursel et al., IJO 2009).
- Eine Metaanalyse von 2024 mit 59 randomisierten Studien (3.802 Teilnehmende) berichtete signifikante Senkungen von Körpermasse, BMI und Körperfettanteil, aber keinen Effekt auf die Fettmasse. Die Vertrauenswürdigkeit der Evidenz reichte je nach Endpunkt von niedrig bis hoch (Asbaghi et al., Br J Nutr 2024).
Eine Studie testete eine Dosis oberhalb des EFSA-Schwellenwerts: 102 Frauen mit abdomineller Adipositas nahmen 12 Wochen lang 856,8 mg EGCG/Tag oder Placebo ein. Das Gewicht in der Extraktgruppe sank von 76,8 auf 75,7 kg, eine Veränderung innerhalb der Gruppe von etwa 1 kg (Chen et al., Clin Nutr 2016). Das Abstract nennt keinen Unterschied im Gewicht zwischen den Gruppen.
Energieverbrauch in Ruhe
In einer Respirationskammer nahmen 10 gesunde Männer zum Frühstück, Mittag- und Abendessen einen Grüntee-Extrakt (50 mg Koffein und 90 mg EGCG), Koffein allein (50 mg) oder Placebo ein (Dulloo et al., AJCN 1999). Im Vergleich zu Placebo:
- stieg der 24-Stunden-Energieverbrauch um 4 %;
- sank der respiratorische Quotient von 0,88 auf 0,85, was auf eine stärkere Fettverbrennung hinweist;
- hatte Koffein allein in derselben Dosis keinen Effekt.
Eine Metaanalyse von sechs Studien in der Respirationskammer ergab, dass sowohl Catechin-Koffein-Mischungen als auch Koffein allein den 24-Stunden-Energieverbrauch um etwa 428–429 kJ (≈ 4,7–4,8 %, ≈ 102 kcal) erhöhten. Nur die Catechin-Koffein-Mischungen steigerten die 24-Stunden-Fettoxidation signifikant, um 12,2 g (16,0 %) (Hursel et al., Obes Rev 2011). Effekte dieser Größenordnung auf den täglichen Energieverbrauch passen zu den kleinen Gewichtsveränderungen in längeren Studien.
Fettoxidation beim Training
Die Ergebnisse von Trainingsstudien sind gemischt, und die größeren, längeren Studien waren negativ:
| Studie | Design | Extrakt | Ergebnis |
|---|---|---|---|
| Venables et al., AJCN 2008 | Crossover, 12 Männer, 30 min Radfahren bei 60 % VO₂max | 366 mg EGCG über die vorangegangenen 24 h | Fettoxidation 17 % höher (0,41 vs. 0,35 g/min) |
| Randell et al., MSSE 2013 | Randomisiert, 31 Männer, 60 min Radfahren | 1 oder 7 Tage Extrakt vs. Placebo | Keine Änderung der Fettoxidation; 7 Tage erhöhten Plasmafettsäuren und Glycerin |
| Randell et al., MSSE 2014 | Crossover, 19 aktive Männer, 30 min Radfahren | Entkoffeinierter Extrakt über 1, 7 oder 28 Tage | Zu keinem Zeitpunkt Änderung der Fettoxidation oder fettbezogener Blutmarker |
Die Studie von 2008 berichtete außerdem eine um 13 % verbesserte Insulinsensitivität in einem separaten oralen Glukosetoleranztest bei 11 Männern. Selbst wenn die Fettoxidation während einer Einheit steigt, führt das nicht automatisch zu nennenswertem Fettverlust über die Zeit.
Nebenwirkungen und Risiken
Leberschädigung
Leberschädigung ist das wichtigste Sicherheitsproblem. LiverTox, die NIH-Datenbank zu arzneimittelbedingten Leberschäden, gibt an, dass Grüntee-Extrakt, seltener auch große Mengen grünen Tees, mit klinisch manifesten akuten Leberschäden in Verbindung gebracht wurde, einschließlich akuten Leberversagens, das eine dringende Transplantation erforderte oder zum Tod führte (LiverTox).
Die Fallserie des US Drug-Induced Liver Injury Network (DILIN). Von 1.414 Patienten mit formal beurteilter Leberschädigung wurden 40 (3 %) auf grünen Tee zurückgeführt (Hoofnagle et al., Hepatology 2021):
| Merkmal | Befund |
|---|---|
| Alter | 17–69 Jahre (Median 40) |
| Zeit bis zu Symptomen | 15–448 Tage (Median 72) nach Beginn |
| Muster | Hepatozellulär in 95 % (deutliche Aminotransferase-Anstiege) |
| Gelbsucht | 83 % |
| Schwerer Verlauf | 35 % (14 Patienten) |
| Lebertransplantation | 8 % (3 Patienten) |
| Chronische Schädigung | 3 % |
| Wiederauftreten bei erneuter Exposition | 3 Patienten, mit kürzerer Zeit bis zum Beginn |
| Träger von HLA-B*35:01 | 72 % der Grüntee-Fälle vs. 12 % der Arzneimittelfälle und 11 % der Bevölkerungskontrollen |
Der starke Zusammenhang mit der Immungenvariante HLA-B*35:01 legt nahe, dass die Schädigung idiosynkratisch und immunvermittelt ist. Das NCCIH schätzt, dass 5–15 % der US-Amerikaner diese Variante tragen (NCCIH).
Der USP-Review. Das USP-Expertengremium stellte fest, dass publizierte Fallberichte Leberschäden mit EGCG-Aufnahmen von etwa 140 mg bis etwa 1.000 mg/Tag in Verbindung bringen, mit großen Unterschieden in der Anfälligkeit zwischen Personen. Es fand keine Hinweise darauf, dass Verunreinigungen wie Lösungsmittelrückstände, Pestizide, Pyrrolizidinalkaloide oder Schwermetalle die Fälle erklärten (Oketch-Rabah et al., USP 2020).
Die Minnesota Green Tea Trial. Sie ist die größte kontrollierte Untersuchung der Lebereffekte. Postmenopausale Frauen nahmen 12 Monate lang einen entkoffeinierten Extrakt mit 843 mg EGCG/Tag oder Placebo ein (Yu et al., Cancer Prev Res 2017):
| Messgröße | Ergebnis |
|---|---|
| Ausgewertete Teilnehmerinnen | 513 Extrakt, 508 Placebo |
| ALT-Anstieg in der Extraktgruppe | +5,4 U/L (95-%-KI 3,6–7,1), signifikant mehr als unter Placebo |
| Mittelgradige oder schwerere Auffälligkeit der Leberwerte | 5,1 % (26 Frauen) unter Extrakt; Odds Ratio 7,0 vs. Placebo (95-%-KI 2,4–20,3) |
| ALT über 90 U/L (Abbruch laut Protokoll) | 36 Frauen unter Extrakt vs. 4 unter Placebo |
| Mediane Zeit bis zu einer ALT von 90 U/L oder mehr | 106 Tage (Spanne 56–365) |
Bei Frauen, die abbrachen, fiel die ALT nach durchschnittlich 32 Tagen wieder unter 90 U/L. Von 20 Frauen, die den Extrakt erneut einnahmen, hatten 11 (55 %) wieder eine ALT über 90 U/L. Dieses Muster eines Wiederanstiegs bei Reexposition verknüpft den Extrakt stark mit den Enzymveränderungen.
EFSA 2018. Nach Prüfung von 38 Interventionsstudien kam das EFSA-Gremium zu dem Schluss, dass Dosen aus Nahrungsergänzungsmitteln von 800 mg EGCG/Tag oder mehr über 4 Monate oder länger ALT und AST bei einem kleinen Teil der Menschen erhöhen, meist unter 10 %. Es fand in Studien mit bis zu 12 Monaten Dauer keine Hinweise auf Lebertoxizität unter 800 mg/Tag, doch ein Produkt (ein 80%iger ethanolischer Extrakt) wurde bereits bei 375 mg EGCG/Tag mit Leberschäden in Verbindung gebracht. Das Gremium schloss, dass es nicht möglich war, eine Dosis EGCG aus Extrakten zu bestimmen, die als sicher gelten kann. Traditionell aufgebrühter grüner Tee wurde bei üblichen Verzehrmengen als grundsätzlich sicher angesehen (EFSA 2018).
Zu den im USP-Warnhinweis genannten Warnzeichen gehören Bauchschmerzen, dunkler Urin und Gelbsucht (Gelbfärbung von Haut oder Augen).
Fatburner mit mehreren Inhaltsstoffen
Nahrungsergänzungsmittel mit mehreren Inhaltsstoffen sind zu einer immer häufigeren Ursache akuter Leberschäden geworden, und grüner Tee ist häufiger Bestandteil der betroffenen Produkte (Hoofnagle et al., Hepatology 2021). Das erschwert es, im Einzelfall einem einzelnen Inhaltsstoff die Schuld zuzuweisen, auch wenn die DILIN-Forschenden feststellten, dass Leberschäden durch grünen Tee charakteristische klinische Merkmale haben. Kombinationsprodukte zum Fettabbau enthalten oft auch Stimulanzien wie Koffein, Synephrin oder Yohimbin, jeweils mit eigenen Herz-Kreislauf-Wirkungen.
Weitere Nebenwirkungen
Das NCCIH nennt Übelkeit, Verstopfung, Bauchbeschwerden und erhöhten Blutdruck als Nebenwirkungen von Grüntee-Extrakt-Präparaten (NCCIH). Koffeinhaltige Extrakte bringen zusätzlich die Wirkungen von Koffein auf Schlaf, Angst und Herzfrequenz mit sich.
Arzneimittelwechselwirkungen
Nadolol. Bei 10 gesunden Freiwilligen senkte das Trinken von 700 mL grünem Tee pro Tag über 14 Tage die Spitzenkonzentration und die Gesamtexposition (AUC) einer Einzeldosis von 30 mg des Betablockers Nadolol um etwa 85 % (Misaka et al., Clin Pharmacol Ther 2014). Auch die blutdrucksenkende Wirkung von Nadolol war signifikant vermindert. Der wahrscheinliche Mechanismus ist eine Blockade des intestinalen Transporters OATP1A2, den Nadolol für die Resorption benötigt.
Das NCCIH weist außerdem darauf hin, dass Grüntee-Extrakt die Blutspiegel von Atorvastatin senken kann und eine Wechselwirkung mit Raloxifen gezeigt hat (NCCIH). Wer regelmäßig Medikamente einnimmt, sollte bei konzentrierten Extrakten von einem Wechselwirkungspotenzial ausgehen.
Wer es meiden sollte
Auf Grundlage der EU-Kennzeichnungspflichten und des USP-Warnhinweises gelten Extrakte als ungeeignet für:
- Menschen mit bestehender Lebererkrankung;
- Schwangere oder Stillende;
- Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren;
- die Einnahme auf nüchternen Magen oder zusammen mit anderen Grüntee-Produkten am selben Tag.
Qualität und Kennzeichnung
Produktetiketten stimmen oft nicht mit dem Inhalt überein. In einer Analyse von 19 Grüntee-Präparaten gaben nur 7 ihren Koffeingehalt an, 11 ihren EGCG-Gehalt und 5 den Gesamtgehalt an Polyphenolen. Die gemessenen Gehalte stimmten nicht mit den Angaben auf den Etiketten überein (Seeram et al., J Agric Food Chem 2006).
Die EFSA stellte ebenfalls fest, dass Extraktionsverfahren das Catechinprofil verändern, und empfahl, auf dem Etikett den Catechingehalt und den EGCG-Anteil anzugeben (EFSA 2018). In der EU ist das inzwischen vorgeschrieben, in den USA wird der EGCG-Gehalt eines Produkts jedoch womöglich gar nicht angegeben, sodass sich kaum erkennen lässt, ob eine Tagesaufnahme nahe an den Mengen liegt, die mit Anstiegen der Leberenzyme in Verbindung gebracht werden.
Das Wichtigste in Kürze
- Der Effekt auf das Gewicht ist klein. Der Cochrane-Review fand in Studien außerhalb Japans einen nicht signifikanten Unterschied von 0,04 kg; eine Metaanalyse von 2009 fand etwa 1,3 kg.
- Koffein leistet einen Großteil der Arbeit. Catechin-Koffein-Mischungen erhöhen den täglichen Energieverbrauch um etwa 4–5 %, ähnlich wie Koffein allein; die zusätzliche Fettoxidation beim Training ist gering und uneinheitlich.
- Leberschäden sind selten, aber real. Die Fälle reichen von Enzymanstiegen bis zu Leberversagen und Transplantation und sind stark mit der Genvariante HLA-B*35:01 verknüpft.
- Dosis und Nüchternheit spielen eine Rolle. Die EFSA verknüpft 800 mg EGCG/Tag oder mehr mit Anstiegen der Leberenzyme, und die nüchterne Einnahme erhöht die maximalen EGCG-Spiegel um mehr als das 3,5-Fache; die EFSA konnte keine sichere Extraktdosis benennen.
- Es gibt Wechselwirkungen. Grüner Tee senkte in einer kontrollierten Studie die Nadolol-Exposition um etwa 85 %.
- Etiketten sind unzuverlässig. EGCG- und Koffeingehalt schwanken stark zwischen Produkten und werden oft nicht angegeben.
Quellen
- Jurgens TM, Whelan AM, Killian L, et al. Green tea for weight loss and weight maintenance in overweight or obese adults. Cochrane Database Syst Rev. 2012;12(12):CD008650. PubMed.
- Hursel R, Viechtbauer W, Westerterp-Plantenga MS. The effects of green tea on weight loss and weight maintenance: a meta-analysis. Int J Obes (Lond). 2009;33(9):956–961. PubMed.
- Asbaghi O, Rezaei Kelishadi M, Larky DA, et al. The effects of green tea extract supplementation on body composition, obesity-related hormones and oxidative stress markers: a grade-assessed systematic review and dose-response meta-analysis of randomised controlled trials. Br J Nutr. 2024;131(7):1125–1157. PubMed.
- Chen IJ, Liu CY, Chiu JP, Hsu CH. Therapeutic effect of high-dose green tea extract on weight reduction: a randomized, double-blind, placebo-controlled clinical trial. Clin Nutr. 2016;35(3):592–599. PubMed.
- Hursel R, Viechtbauer W, Dulloo AG, et al. The effects of catechin rich teas and caffeine on energy expenditure and fat oxidation: a meta-analysis. Obes Rev. 2011;12(7):e573–e581. PubMed.
- Dulloo AG, Duret C, Rohrer D, et al. Efficacy of a green tea extract rich in catechin polyphenols and caffeine in increasing 24-h energy expenditure and fat oxidation in humans. Am J Clin Nutr. 1999;70(6):1040–1045. PubMed.
- Venables MC, Hulston CJ, Cox HR, Jeukendrup AE. Green tea extract ingestion, fat oxidation, and glucose tolerance in healthy humans. Am J Clin Nutr. 2008;87(3):778–784. PubMed.
- Randell RK, Hodgson AB, Lotito SB, et al. No effect of 1 or 7 d of green tea extract ingestion on fat oxidation during exercise. Med Sci Sports Exerc. 2013;45(5):883–891. PubMed.
- Randell RK, Hodgson AB, Lotito SB, et al. Variable duration of decaffeinated green tea extract ingestion on exercise metabolism. Med Sci Sports Exerc. 2014;46(6):1185–1193. PubMed.
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- Chow HH, Hakim IA, Vining DR, et al. Effects of dosing condition on the oral bioavailability of green tea catechins after single-dose administration of Polyphenon E in healthy individuals. Clin Cancer Res. 2005;11(12):4627–4633. PubMed.
- Oketch-Rabah HA, Roe AL, Rider CV, et al. United States Pharmacopeia (USP) comprehensive review of the hepatotoxicity of green tea extracts. Toxicol Rep. 2020;7:386–402. PubMed.
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- National Center for Complementary and Integrative Health. Green Tea. Aktualisiert im Februar 2025. NCCIH.
- ANI Pharmaceuticals. Veregen (sinecatechins) ointment, 15%, prescribing information (NDA 021902). DailyMed.
- National Center for Biotechnology Information. Epigallocatechin gallate, PubChem CID 65064. PubChem.
- World Anti-Doping Agency. The 2026 Prohibited List. WADA 2026 Prohibited List.