Petrelintid (Forschungscode ZP8396) ist ein in Erprobung befindliches, lang wirksames Analogon von Amylin, einem Hormon, das die Bauchspeicheldrüse nach Mahlzeiten zusammen mit Insulin freisetzt. Entwickelt wurde es von Zealand Pharma; seit 2025 wird es gemeinsam mit Roche als einmal wöchentliche Injektion zur langfristigen Gewichtsregulation weiterentwickelt (Roche, 2025).
Die wichtigste Tatsache vorab: Petrelintid ist nirgendwo zugelassen. Stand Oktober 2026 hat es zwei Phase-2-Studien abgeschlossen, und in einem Phase-3-Programm aus drei placebokontrollierten Studien (ZUPREME-3, -4 und -5, rund 7.000 geplante Teilnehmende) wird bereits dosiert (Zealand Pharma, Oktober 2026). Alle veröffentlichten Humandaten stammen aus Studien, die vom Hersteller finanziert wurden.
Diese Seite fasst zusammen, was die klinischen Studien, Studienregister und Unternehmensmitteilungen berichten. Sie dient ausschließlich der Information und ist keine medizinische Beratung.
| Eigenschaft | Angabe |
|---|---|
| Wirkstoffklasse | Lang wirksames humanes Amylin-Analogon; Agonist an Amylin- und Calcitoninrezeptoren |
| Entwickler | Zealand Pharma (Code ZP8396), seit 2025 gemeinsam mit Roche entwickelt |
| Applikationsweg | Subkutane Injektion, einmal wöchentlich |
| Untersuchte Dosen | Einzeldosen von 0,04–2,4 mg in Phase 1; wöchentliche Erhaltungsdosen von 1,0–9,0 mg in Phase 2 |
| Halbwertszeit | ≈ 10 Tage (Mittelwert 213–257 h nach subkutanen Einzeldosen) in Phase 1 |
| Wichtigstes Designmerkmal | Bei neutralem pH-Wert stabil, ohne Fibrillen zu bilden, und lässt sich daher mit anderen Peptidarzneimitteln mischen |
| Entwicklungsstadium | Phase 3 im Jahr 2026 gestartet; Phase-2-Ergebnisse veröffentlicht oder bekanntgegeben |
| Status in den USA | Nicht von der FDA (US-Arzneimittelbehörde) zugelassen; ausschließlich Prüfpräparat |
| WADA-Status | Nicht namentlich auf der Liste 2026 aufgeführt; als nicht zugelassenes Arzneimittel fällt es unter S0 (nicht zugelassene Substanzen) und ist jederzeit verboten |
Was es ist
Amylin ist ein Peptidhormon aus 37 Aminosäuren, das in den Betazellen der Bauchspeicheldrüse gebildet wird. Es wirkt vor allem im Hinterhirn: Es fördert das Sättigungsgefühl, verlangsamt die Magenentleerung und unterdrückt nach Mahlzeiten die Glukagonausschüttung (Fischer Munch et al., J Med Chem 2025). Natives Amylin taugt kaum als Arzneimittel: Es bleibt nur kurz im Körper, zerfällt in Lösung chemisch und neigt dazu, zu Amyloidfibrillen zu verklumpen. Das erste Amylin-Arzneimittel, Pramlintid, wurde 2005 von der FDA für Menschen mit Diabetes zugelassen, die Insulin anwenden, muss aber mehrmals täglich injiziert und bei saurem pH-Wert formuliert werden (Fischer Munch et al., 2025).
Die Chemiker von Zealand gingen von humanem Amylin aus und wollten eine Variante schaffen, die lang wirksam und bei neutralem pH-Wert stabil ist. Die veröffentlichte Designarbeit beschreibt folgende Änderungen (Fischer Munch et al., 2025):
| Problem von nativem Amylin | Lösung bei Petrelintid |
|---|---|
| Bildet Amyloidfibrillen | Zwei N-Methylgruppen im Rückgrat der fibrillenbildenden Region statt der bei Pramlintid verwendeten Prolin-Substitutionen |
| Chemischer Abbau in Lösung (Desamidierung) | Abbauanfällige Asparaginreste wurden ersetzt oder entfernt |
| Instabile Disulfidbrücke nahe dem N-Terminus | Durch eine stabilere Lactam-(Amid-)Brücke ersetzt |
| Sehr kurze Halbwertszeit | Eine Fettsäure-Seitenkette ermöglicht eine reversible Bindung an Albumin im Blut und verlangsamt so die Ausscheidung |
Die Beschreibung der Albuminbindung stammt aus dem Phase-1-Bericht (Brændholt Olsen et al., Diabetes Obes Metab 2026). Dieser Bericht beschreibt Petrelintid als acyliertes Peptid aus 37 Aminosäuren mit 4,2 kDa. PubChem nennt die Summenformel C₁₈₅H₃₀₅N₄₉O₆₁ und eine Molmasse von etwa 4.192 g/mol (PubChem). In Labortests zeigte es nach bis zu einem Monat bei 40 °C in gängigen Puffern mit neutralem pH-Wert keine Fibrillenbildung und keine nennenswerte Verklumpung. Dadurch kann es mit anderen Peptiden wie GLP-1-Arzneimitteln gemeinsam formuliert werden (Fischer Munch et al., 2025).
Wirkmechanismus
Amylinrezeptoren bestehen aus dem Calcitoninrezeptor, gepaart mit einem von drei Rezeptoraktivität modifizierenden Proteinen (RAMPs); daraus ergeben sich die Rezeptoren AMY1, AMY2 und AMY3. In Zelltests aktivierte Petrelintid den AMY3-Rezeptor mit ähnlicher Potenz wie humanes Amylin und aktivierte außerdem den Calcitoninrezeptor (Fischer Munch et al., 2025). Die Autoren der Phase-1-Studien beschreiben es als potenten Agonisten an AMY1, AMY3 und dem Calcitoninrezeptor (Brændholt Olsen et al., 2026). Dieselben Autoren ordnen es zusammen mit Cagrilintid und Eloralintid den lang wirksamen Amylin-Analoga in klinischer Entwicklung zu.
Zealand und Roche beschreiben die Aktivierung der Amylinrezeptoren so, dass sie die Empfindlichkeit für das Sättigungshormon Leptin wiederherstellt, sodass man sich früher satt fühlt (Roche, 2025). Das geschieht über ein anderes Rezeptorsystem als bei GLP-1-Arzneimitteln wie Semaglutid und Tirzepatid.
Bei Ratten hatte eine Einzeldosis eine Halbwertszeit im Blut von 33,8 h und senkte das Körpergewicht nach 96 h um etwa 10 %; bei Ratten mit ernährungsbedingter Adipositas verringerte es Nahrungsaufnahme und Körpergewicht dosisabhängig (Fischer Munch et al., 2025). Dies sind Tierbefunde.
Pharmakokinetik
Die pharmakokinetischen Daten beim Menschen stammen aus zwei Phase-1-Studien an einem deutschen Zentrum: einer Studie mit aufsteigenden Einzeldosen (subkutan 0,04–2,4 mg, dazu eine intravenöse Kohorte mit 0,35 mg) und einer Studie mit aufsteigenden Mehrfachdosen und wöchentlicher Gabe bis 9,0 mg (Brændholt Olsen et al., 2026).
| Parameter | Befund |
|---|---|
| Resorption | Langsam; mediane Zeit bis zum Spitzenspiegel 28–108 h nach einer subkutanen Einzeldosis, bei höheren Dosen früher |
| Bioverfügbarkeit | 77,4 % bei einer subkutanen Dosis von 0,35 mg |
| Halbwertszeit (subkutan) | ≈ 10 Tage (Mittelwert 213–257 h über die Kohorten) |
| Halbwertszeit (intravenös) | 239 h; der Applikationsweg veränderte die Elimination also nicht |
| Steady State | Nach der fünften wöchentlichen Dosis erreicht |
| Dosisproportionalität | Die Exposition (AUC und Spitzenspiegel) stieg im Steady State von 0,6 bis 9,0 mg proportional zur Dosis |
| Anti-Drug-Antikörper | In keiner der beiden Studien nachgewiesen |
Die lange Halbwertszeit spricht für eine einmal wöchentliche Gabe. Eigene Studien zu Petrelintid bei Menschen mit eingeschränkter Nierenfunktion (abgeschlossen) und eingeschränkter Leberfunktion (in Rekrutierung) sind registriert, ihre Ergebnisse wurden jedoch nicht veröffentlicht (NCT07076030; NCT07682818).
Entwicklungs- und Zulassungsstatus
- Nicht zugelassen. Keine Behörde hat Petrelintid für irgendeine Anwendung zugelassen. Es ist nur im Rahmen klinischer Studien erhältlich.
- Partnerschaft mit Roche. Im März 2025 vereinbarten Roche und Zealand, Petrelintid gemeinsam zu entwickeln und zu vermarkten, sowohl als Einzelwirkstoff als auch als Fixdosiskombination mit Roches dualem GLP-1/GIP-Agonisten CT-388 (inzwischen Enicepatid genannt) (Roche, 2025; Zealand Pharma, 2026).
- Phase 2 abgeschlossen. ZUPREME-1 (Adipositas ohne Diabetes) wurde im September 2026 veröffentlicht, und Topline-Ergebnisse von ZUPREME-2 (Adipositas mit Typ-2-Diabetes) wurden am 7. Oktober 2026 bekanntgegeben.
- Phase 3 läuft. Zealand meldete am 7. Oktober 2026, dass das Phase-3a-Programm begonnen hat und die ersten Teilnehmenden mit der Behandlung gestartet sind (Zealand Pharma, 2026). Auf ClinicalTrials.gov ist Roche als Sponsor aller drei Studien eingetragen:
| Studie | Population | Geplantes n | Primärer Endpunkt | Voraussichtlicher primärer Abschluss |
|---|---|---|---|---|
| ZUPREME-3 (NCT07843498) | Übergewicht oder Adipositas mit mindestens einer gewichtsbedingten Erkrankung, kein Typ-2-Diabetes | 3.900 | Veränderung des Körpergewichts in Woche 64 | Dezember 2028 |
| ZUPREME-4 (NCT07843485) | Übergewicht oder Adipositas mit Typ-2-Diabetes | 600 | Veränderung des Körpergewichts in Woche 64 | Oktober 2028 |
| ZUPREME-5 (NCT07843472) | Übergewicht oder Adipositas mit bestehender Herz-Kreislauf-Erkrankung | 2.500 | Veränderung des Körpergewichts in Woche 64 | Juli 2030 |
Eine separate Phase-2-Dosisfindungsstudie, ZYNERGY, soll Petrelintid in Kombination mit Enicepatid gegen jeden der beiden Wirkstoffe allein und gegen Placebo über 40 Wochen bei 486 geplanten Teilnehmenden testen; bei der letzten Aktualisierung im Register war sie als noch nicht rekrutierend eingetragen (NCT07589686).
Was die Forschung zeigt
Phase 1: erste Daten zur wöchentlichen Gabe
In Teil 2 der Studie mit aufsteigenden Mehrfachdosen erhielten 48 Erwachsene mit Übergewicht oder Adipositas (mittlerer BMI 29,9) 16 Wochen lang einmal wöchentlich Petrelintid oder Placebo; die Dosis wurde alle 2 Wochen gesteigert, ein Lebensstilprogramm gab es nicht (Brændholt Olsen et al., 2026):
| Kohorte (je n=12) | Wochen mit Zieldosis | Beobachtete Gewichtsveränderung in Woche 16 | Veränderung des Taillenumfangs |
|---|---|---|---|
| Placebo | — | −1,7 % | −1,9 cm |
| Zieldosis 2,4 mg | 12 | −4,8 % | −5,0 cm |
| Zieldosis 4,8 mg | 8 | −8,6 % | −7,2 cm |
| Zieldosis 9,0 mg | 6 | −8,3 % | −7,6 cm |
Die geschätzten Unterschiede zu Placebo betrugen −3,2, −7,0 und −6,7 Prozentpunkte (jeweils p ≤ 0,0002). Die Kohorten waren klein und zu etwa 80 % männlich, und der HbA1c-Wert (durchschnittlicher Blutzucker der letzten etwa drei Monate) veränderte sich bei diesen Teilnehmenden ohne Diabetes nicht.
Adipositas ohne Diabetes (ZUPREME-1)
ZUPREME-1 war eine randomisierte, doppelblinde, placebokontrollierte Phase-2-Studie an 32 Zentren in Polen, Rumänien und den USA (Garvey et al., Lancet Diabetes Endocrinol 2026; NCT06662539). Eingeschlossen waren 485 behandelte Erwachsene ohne Typ-2-Diabetes mit einem BMI von mindestens 30 oder mindestens 27 bei Bluthochdruck oder auffälligen Blutfetten (mittleres Gewicht 107,1 kg, mittlerer BMI 36,7). Sie wurden im Verhältnis 5:1 auf eine von fünf wöchentlichen Petrelintid-Erhaltungsdosen oder Placebo randomisiert, für 42 Wochen einschließlich Dosissteigerung.
| Arm | n | Gewichtsveränderung in Woche 28 (95-%-KI) | Unterschied zu Placebo (95-%-KI) |
|---|---|---|---|
| Placebo | 81 | −1,7 % (−2,8 bis −0,5) | — |
| Petrelintid 1,0 mg | 79 | −7,9 % (−9,0 bis −6,7) | −6,2 (−7,9 bis −4,5) |
| Petrelintid 2,5 mg | 81 | −7,9 % (−9,0 bis −6,7) | −6,2 (−7,8 bis −4,5) |
| Petrelintid 5,0 mg | 83 | −9,8 % (−10,9 bis −8,6) | −8,1 (−9,7 bis −6,5) |
| Petrelintid 7,0 mg | 79 | −9,3 % (−10,5 bis −8,2) | −7,7 (−9,3 bis −6,0) |
| Petrelintid 9,0 mg | 82 | −9,4 % (−10,5 bis −8,3) | −7,7 (−9,4 bis −6,1) |
Diese Zahlen beruhen auf dem Wirksamkeits-Estimand, der davon ausgeht, dass die Teilnehmenden in Behandlung blieben. Die wichtigsten Punkte:
- Plateau oberhalb von 5 mg. Die Gewichtsabnahme in Woche 28 war bei den Dosen 5,0, 7,0 und 9,0 mg ähnlich.
- In Woche 42 noch rückläufig. Das Gewicht sank bis zum Behandlungsende weiter und erreichte bis zu −10,7 %.
- Einordnung. Die Autoren der Phase-1-Studien merken an, dass Semaglutid und Tirzepatid eine anhaltende Gewichtsabnahme von bis zu 15 % oder mehr bewirken (Brændholt Olsen et al., 2026). Studien unterscheiden sich in Dauer, Population und Design, daher ist ein direkter Vergleich mit ZUPREME-1 nicht verlässlich.
Adipositas mit Typ-2-Diabetes (ZUPREME-2)
ZUPREME-2 randomisierte 220 Erwachsene in den USA mit Übergewicht oder Adipositas und Typ-2-Diabetes, die Metformin mit oder ohne SGLT2-Hemmer einnahmen, für 28 Wochen auf eine von drei wöchentlichen Petrelintid-Dosen oder Placebo; die Dosis wurde jede vierte Woche gesteigert (NCT06926842). Der mittlere BMI zu Studienbeginn lag bei 36,3, der mittlere HbA1c bei 8,0 %. Verfügbar sind nur Topline-Ergebnisse aus einer Unternehmensmitteilung, und die getesteten Dosen wurden nicht offengelegt (Zealand Pharma, 2026):
| Ergebnis in Woche 28 | Petrelintid (3 Arme) | Placebo |
|---|---|---|
| Mittlere Gewichtsveränderung (Wirksamkeits-Estimand) | −7,4 % bis −9,2 % | −2,0 % |
| Veränderung des HbA1c | Rückgang um bis zu 0,65 Punkte | Anstieg um 0,23 Punkte |
| Placebobereinigte Veränderung des HbA1c | −0,61 bis −0,88 Punkte | — |
| Behandlungsabbruch wegen gastrointestinaler Nebenwirkungen | 1,9 % | 1,7 % |
Alle drei Dosen erreichten den primären Endpunkt. Die vollständigen Ergebnisse wurden noch nicht im Peer-Review begutachtet.
Was noch unbekannt ist
- Langzeitwirkungen. Der längste veröffentlichte Behandlungszeitraum beträgt 42 Wochen. Die Phase-3-Studien laufen bis Woche 64; der primäre Abschluss wird ab Ende 2028 erwartet.
- Körperzusammensetzung. Auf einer Konferenz 2024 vorgestellte Rattendaten deuteten auf Fettabbau bei erhaltener Magermasse hin (zitiert in Brændholt Olsen et al., 2026). ZUPREME-1 umfasste eine MRT-Untergruppe, doch Ergebnisse zur Körperzusammensetzung werden im veröffentlichten Abstract nicht berichtet. Es gibt keine veröffentlichten Humandaten, die zeigen, dass Petrelintid Muskulatur schont.
- Kardiovaskuläre Endpunkte. ZUPREME-5 schließt Menschen mit Herzerkrankungen ein, doch der primäre Endpunkt ist die Gewichtsveränderung, nicht Herzinfarkte oder Schlaganfälle.
- Kombinationstherapie. Ergebnisse beim Menschen zu Petrelintid in Kombination mit Enicepatid oder einem GLP-1-Arzneimittel wurden nicht veröffentlicht.
Nebenwirkungen und Risiken
Gastrointestinale Wirkungen
Übelkeit ist, wie bei anderen Amylin- und GLP-1-Arzneimitteln, die Hauptnebenwirkung und tritt vor allem während der Dosissteigerung auf. In ZUPREME-1 wurden folgende Raten berichtet (Garvey et al., 2026):
| Unerwünschtes Ereignis | Petrelintid (n=404) | Placebo (n=81) |
|---|---|---|
| Übelkeit | 20 % | 6 % |
| Erbrechen | 3 % | 6 % |
| Durchfall | 7 % | 7 % |
| Verstopfung | 7 % | 4 % |
Die Autoren beschrieben die Übelkeit als überwiegend leicht, und es wurden keine Todesfälle berichtet. In der Phase-1-Studie mit wöchentlicher Gabe trat Übelkeit bei 17–33 % der Personen unter Petrelintid auf gegenüber 17 % unter Placebo, und eine von 36 teilnehmenden Personen brach wegen mäßiger Übelkeit und Erbrechen ab (Brændholt Olsen et al., 2026). In ZUPREME-2 lag die Abbruchrate wegen gastrointestinaler Ereignisse bei 1,9 % gegenüber 1,7 % unter Placebo (Zealand Pharma, 2026).
Diese niedrigen Raten stammen aus herstellerfinanzierten Studien mittlerer Größe. Seltene Nebenwirkungen lassen sich erst erkennen, wenn die deutlich größeren Phase-3-Studien Ergebnisse vorlegen.
Weitere Befunde aus frühen Studien
Aus den Phase-1-Studien (Brændholt Olsen et al., 2026):
- Appetit. Verminderter Appetit wurde bei 58–83 % der Teilnehmenden je Petrelintid-Kohorte berichtet gegenüber 42 % unter Placebo, was zur Wirkweise des Arzneimittels passt.
- Herzfrequenz. Der mittlere Puls sank bis zum Ende der wöchentlichen Behandlung um etwa 5 Schläge pro Minute.
- Injektionsstellen. Reaktionen waren leicht und vorübergehend und traten vor allem bei Teilnehmenden auf, die bis zu drei Injektionen pro Dosis benötigten.
- Keine schwerwiegenden oder schweren unerwünschten Ereignisse und keine klinisch bedeutsamen Labor-, EKG- oder Vitalparameterbefunde in beiden Studien.
Hypoglykämie und Diabetesmedikamente
Amylin verlangsamt die Magenentleerung und unterdrückt nach Mahlzeiten die Glukagonausschüttung (Fischer Munch et al., 2025), daher sind Wirkungen auf den Blutzucker für Menschen relevant, die Diabetesmedikamente anwenden. Daten zu Hypoglykämie (Unterzuckerung) unter Petrelintid wurden über die Topline-Aussage zu ZUPREME-2 hinaus, es habe keine unerwarteten Sicherheitssignale gegeben, nicht veröffentlicht; zudem erhielten die Teilnehmenden von ZUPREME-2 Metformin mit oder ohne SGLT2-Hemmer, kein Insulin (Zealand Pharma, 2026).
Nicht regulierte Produkte
Da Petrelintid ein Prüfpräparat ist, stammt jedes außerhalb einer klinischen Studie verkaufte Produkt von außerhalb der regulierten Arzneimittelversorgung. Identität, Reinheit, Dosis und Sterilität werden von keiner Behörde geprüft, und solche Produkte wurden nie am Menschen untersucht.
Rechtsstatus und Anwendung im Sport
Petrelintid ist auf der Verbotsliste der Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA) nicht namentlich aufgeführt. Die Klasse S0 verbietet jedoch jede pharmakologische Substanz, die nicht an anderer Stelle der Liste erfasst ist und derzeit von keiner staatlichen Gesundheitsbehörde zugelassen ist, ausdrücklich einschließlich Arzneimitteln „under pre-clinical or clinical development“ (in präklinischer oder klinischer Entwicklung) (WADA 2026 Prohibited List). Als nicht zugelassenes Prüfpräparat fällt Petrelintid in diese Klasse und ist jederzeit verboten. Sein Status könnte sich ändern, wenn eine Behörde es zulässt.
Das Wichtigste in Kürze
- Ein Amylin-Analogon zur einmal wöchentlichen Gabe. Petrelintid ist eine veränderte, lipidierte Variante von humanem Amylin mit einer Halbwertszeit von etwa 10 Tagen, die so konzipiert ist, dass sie bei neutralem pH-Wert stabil bleibt und sich daher mit anderen Peptiden kombinieren lässt.
- Kein zugelassenes Arzneimittel. Stand Oktober 2026 befindet sich Petrelintid in Phase-3-Studien von Roche und Zealand Pharma; es ist nirgendwo zugelassen.
- Etwa 7–11 % Gewichtsabnahme in Phase 2. In ZUPREME-1 führten wöchentliche Dosen zu 7,9–9,8 % Gewichtsabnahme nach 28 Wochen und bis zu 10,7 % nach 42 Wochen, gegenüber 1,7 % unter Placebo; ZUPREME-2 berichtete 7,4–9,2 % bei Menschen mit Typ-2-Diabetes.
- Übelkeit ist die Hauptnebenwirkung. Übelkeit trat in ZUPREME-1 bei 20 % gegenüber 6 % unter Placebo auf, während Erbrechen und Durchfall nicht häufiger waren als unter Placebo.
- Behauptungen zum Muskelerhalt sind unbewiesen. Die einzigen Daten zur Magermasse stammen von Ratten; Ergebnisse zur Körperzusammensetzung beim Menschen wurden nicht veröffentlicht.
- Im Sport verboten. Als nicht zugelassenes Arzneimittel fällt es unter die WADA-Klasse S0.
Quellen
- Fischer Munch H, Just R, Mosolff Mathiesen J, et al. Development of Petrelintide: a Potent, Stable, Long-Acting Human Amylin Analogue. J Med Chem. 2025;68(22):23925–23940. PubMed.
- National Center for Biotechnology Information. PubChem Compound Summary for CID 172915807, Petrelintide. PubChem.
- Brændholt Olsen M, Griffin J, Hövelmann U, et al. Safety, Tolerability, Pharmacokinetics, and Pharmacodynamics of Petrelintide for Weight Management: Two Randomized, Controlled Phase 1 Trials. Diabetes Obes Metab. 2026;28(7):5915–5925. PubMed.
- Garvey WT, Ard J, Connery L, et al. Petrelintide, a human amylin analogue for the treatment of obesity (ZUPREME 1): a randomised, double-blind, placebo-controlled, phase 2 trial. Lancet Diabetes Endocrinol. Online veröffentlicht am 29. September 2026. doi:10.1016/S2213-8587(26)00213-5. PubMed.
- Zealand Pharma. Zealand Pharma announces positive Phase 2 ZUPREME-2 topline results for amylin analog petrelintide in people with overweight or obesity and type 2 diabetes. Unternehmensmitteilung Nr. 54/2026, 7. Oktober 2026. Nasdaq.
- Roche. Roche enters into an exclusive collaboration & licensing agreement with Zealand Pharma to co-develop and co-commercialise petrelintide as a potential foundational therapy for people with overweight and obesity. Pressemitteilung, 12. März 2025. Roche.
- ClinicalTrials.gov. Once-weekly Petrelintide Versus Placebo for Obesity or Overweight With Co-morbidities (ZUPREME). NCT06662539. ClinicalTrials.gov.
- ClinicalTrials.gov. Efficacy and Safety of Petrelintide in Participants With Overweight or Obesity and Type 2 Diabetes (ZUPREME 2). NCT06926842. ClinicalTrials.gov.
- ClinicalTrials.gov. A Phase III Study to Evaluate the Efficacy and Safety of Petrelintide in Participants With Overweight or Obesity (ZUPREME-3). NCT07843498. ClinicalTrials.gov.
- ClinicalTrials.gov. A Phase III Study to Evaluate the Efficacy and Safety of Petrelintide in Participants With Overweight or Obesity and Type 2 Diabetes (ZUPREME-4). NCT07843485. ClinicalTrials.gov.
- ClinicalTrials.gov. A Phase III Study to Evaluate the Efficacy and Safety of Petrelintide in Participants With Overweight or Obesity and Established Cardiovascular Disease (ZUPREME-5). NCT07843472. ClinicalTrials.gov.
- ClinicalTrials.gov. A Dose-Finding Study of Petrelintide With Enicepatide (RO7795068) in Adults With Obesity or Overweight (ZYNERGY). NCT07589686. ClinicalTrials.gov.
- ClinicalTrials.gov. Pharmacokinetics of Petrelintide Following Administration to Participants With Impaired Renal Function. NCT07076030. ClinicalTrials.gov.
- ClinicalTrials.gov. Pharmacokinetics of Petrelintide in Participants With Impaired Hepatic Function. NCT07682818. ClinicalTrials.gov.
- World Anti-Doping Agency. World Anti-Doping Code International Standard: Prohibited List 2026. WADA 2026 Prohibited List.